Sein Leben ist Stoff für weit mehr als eine Zigarrenlänge. Avo Uvezian wuchs auf in Beirut, spielte als junger Pianist am Hofe des Schahs, perfektionierte sein Handwerk an der Juilliard School in New York. Spielte mit den Großen des Jazz, von Teddy Wilson bis Dave Brubeck. Zog sich zurück nach Puerto Rico und komponierte fortan Zigarren. Dabei offenbarte er solches Talent, dass sich Davidoff darum riss, seine Kreationen zu vertreiben. Zum Interview erscheint der 82-jährige Uvezian in seinem typischen Aufzug, in dem ihn Millionen Aficionados kennen: sandfarbener Brioni-Anzug, korbgeflochtener Safarihut. In der Hand liegt eine kalte Avo-787-Zigarre. Denn in der Hotellobby ist Rauchen verboten.
FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND: Mr Uvezian, wie raucht man richtig, also dem Genuss angemessen?
Avo Uvezian: Mit viel Zeit. Eine gute Zigarre verlangt nach Aufmerksamkeit. Man muss sich ihr widmen. Das Rauchen sollte durch nichts von außen gestört werden.
FTD: Somit gibt es auch keine passende Musik oder den perfekten Drink dazu?
Uvezian: Wenn Ihnen das dabei hilft, gibt es dagegen nichts einzuwenden. Ich empfehle Jazz oder leichte Klassik, guten Bourbon oder Single Malt. Sind Sie auf Authentizität bedacht, sollte es ein mittelamerikanischer Rum sein, und zwar pur, ohne Eis. Das ist allerdings nicht jedermanns Sache.
FTD: Was macht die perfekte Zigarre aus?
Uvezian: Zwei Dinge: eine harmonische Abstimmung der einzelnen Tabaksorten sowie das Kunsthandwerk der Herstellung. Eine gute Zigarre zu rollen kann im Prinzip jeder lernen. Die Kunst der Zusammenstellung der Tabaksorten aber ist eine Wissenschaft für sich, ähnlich dem Weinanbau. Es spielen viele Faktoren eine Rolle - die Herkunft der Tabaksorte, die Lage des Anbaugebiets, die Richtung der Sonneneinstrahlung und vieles mehr. Und eine wirklich gute Zigarre setzt sich aus fünf bis sieben Tabaksorten zusammen. Sie sehen die Gefahr, wenn nur eine Zutat nicht dem Optimum entspricht.
FTD: Was zeichnet Avo-Uvezian-Zigarren aus?
Uvezian: Nur mein Geschmack. Wer eine meiner Zigarren raucht, bekommt ein kleines Stück meiner jahrzehntelangen Erfahrung geschenkt, gekoppelt mit meinem persönlichen Geschmack. Sie ist nicht unbedingt besser als andere, aber eigener - viele sagen kräftiger und würziger. Das kann man mögen oder nicht.
FTD: Sie mögen es offenbar nicht, sich anzupassen. War das schon immer ein konsequenter Vorsatz?
Uvezian: Nein, vielmehr eine Folge dessen, was mich in meinem Leben begeistert hat. Viele der Dinge, die ich getan habe, folgten keinem Plan, sondern waren das Ergebnis einer Gelegenheit. Schauen Sie, wie mein Erfolg mit Zigarren zustande kam: Während meiner Zeit in Puerto Rico besaß ich eine Pianobar, in der ich jeden Abend auftrat. Dabei rauchte ich meine eigenen Zigarren, die ich gern ans Publikum verschenkte. Erst das Feedback, dass diese Zigarren etwas Besonderes haben, brachte mich auf die Idee, das professionell anzugehen. Meine Frau erklärte mich für verrückt. Sie sagte: "Nicht schon wieder ein Business, von dem du nichts verstehst!" Zum Glück konnte ich sie Lügen strafen. So war es oft in meinem Leben.
FTD: Als 21-Jähriger etwa stellte Sie der Schah von Persien als Hofmusiker ein. Wie kam es dazu?