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Merken   Drucken   07.09.2010, 14:34 Schriftgröße: AAA

Manhattan: Sightseeing mit Tommy Hilfiger

Der Modedesigner erklärt, warum er New York auch nach 30 Jahren keine Sekunde langweilig findet - und dennoch die Zeit am liebsten ein paar Jahrzehnte zurückdrehen würde. von Sebastian Moll
Was ich an New York so liebe, ist, dass man ­jederzeit alles machen kann, worauf man gerade Lust hat. Die Vielfalt in dieser Stadt ist unendlich, es wird niemals langweilig, auch nicht nach 30 Jahren, die ich hier schon lebe. Ich kann montags zu meinem Lieblingsmexikaner La Esquina gehen, einem intimen Kellerlokal in Tribeca mit einem coolen jungen Publikum. Dienstags ist mir vielleicht nach etwas ­Edlerem zumute, dann gehe ich zu Le ­Bernardin. Am nächsten Abend esse ich Pizza bei Serafina oder indisch im ­Dawat. Oder ich marschiere zum Nobu, dem besten Japaner weit und breit.
Tommy Hilfiger   Tommy Hilfiger
Trotz dieser aufregenden Vielfalt erwische ich mich oft dabei, das New York von früher herbeizusehnen. Natürlich nicht die Drogen, die Krimi­nalität oder die Prostitution am Times Square der 70er. Aber ich vermisse die Echtheit. Vieles war damals nicht so durchgestylt, hat sich authentischer und romantischer angefühlt.
Ich erinnere mich zum Beispiel wahnsinnig gern an das alte Fillmore, als es noch an der 2nd Avenue war. Das war in den 1970er-Jahren DER Musikklub in New York. Ich bin beinahe jede Woche da gewesen und habe von Crosby, Stills and Nash bis Jimi Hendrix wirklich alle gesehen. Das neue Fillmore am Irving Place ist auch eine tolle Konzerthalle, und ich gehe ab und zu hin. Es zieht große Namen wie Katy Perry und Lynyrd Skynyrd an, aber es ist einfach nicht mehr dasselbe.
Ich bin mit den Beatles und The Who aufgewachsen, mit Hendrix, den Kinks, den Stones und den Doors. Klassischer Rock ist heute noch mein Ding. Aber ich höre auch Muddy Waters und anderen alten Blues. In kleinen lauschigen Klubs fühle ich mich am wohlsten, aber wenn es mal ein größeres Konzert sein soll, dann bitte in der Radio City Music Hall. Auch so ein klassischer New Yorker Ort mit Samt, Kronleuchter und Stuck wie in den goldenen Jahren der Stadt. Ich muss allerdings zugeben, dass mir mit zunehmen­dem Alter große Menschenmengen eher auf die Nerven gehen. Da muss es schon ein ganz besonderer Name sein. Mick Jagger etwa. Zu Michael Jackson wäre ich natürlich auch gegangen. Ich werde es ewig bereuen, dass ich ihn nie live erlebt habe.
Was Kunst angeht, sind selbstverständlich Guggenheim und das Metropolitan Museum die Topadressen. Das Met ist unser Louvre - man kann jahrzehntelang hingehen und immer noch etwas Neues entdecken. Noch besser gefällt mir aber das Whitney Museum. Ich liebe die schlichte moderne Architektur, außerdem zeigt es immer nur das Allerbeste. Ich bin ein Fan von Pop-Art und moderner Kunst - auch in dieser Hinsicht bin ich vielleicht ein wenig in den 70ern hängen ­geblieben. Ich sammle selbst Kunst, habe eine Warhol- und eine Damien-Hirst-Sammlung und auch einige Bas­quiats. Für diese Epoche ist das Whitney unübertroffen. Ich gehe min­destens einmal pro Saison hin, um mir in Ruhe die neuen Ausstellungen anzuschauen. Meist am frühen Nachmittag zwischen zwei Terminen, wenn es nicht so voll ist. Und ich veranstalte da gern Abende. Wir sind über die Familie Estée Lauder, die das Whitney führt, eng mit dem Museum verbunden und machen deshalb mindestens drei Galadiners pro Jahr dort.
Klinkerfußboden und barsche Bedienung Zum Essen gehe ich zwar gern in gehobene Restaurants wie eines der drei Ciprianis oder ins Pastis im Meat­packing District, wenn es mal ein französisches Bistro sein soll. Das sind aber meist Geschäftsessen. Privat ziehe ich ein Lokal auf der Upper East Side vor, das überhaupt nicht trendy ist. Es heißt Amaranth und liegt fast an der Madison Avenue. Ich gehe dort einmal pro ­Woche hin für ein ruhiges Dinner mit meiner Frau. Das richten wir uns immer ein, ganz egal was sonst bei mir los ist. Meine Abende sind sehr voll mit Wohltätigkeitsbällen und dergleichen, wir sind ja in allen möglichen Bereichen engagiert. Aber dieser eine Abend mit meiner Frau, der ist heilig. Das Amaranth ist perfekt dafür, sehr diskret und mit hervorragendem Service. Am allerliebsten esse ich dort den gegrillten Tintenfisch.
Ab und zu muss ich aber auch un­bedingt zu Katz's Delicatessen in der Houston Street. Das mache ich schon seit 30 Jahren. Das Katz's ist ebenfalls ein Überrest des alten New York mit seinem Klinkerfußboden und der barschen Bedienung und den Pastrami-Sandwiches mit Graubrot und viel Senf, dem traditionellen Snack des ­alten jüdischen Einwandererviertels Lower East Side. Dazu gibt es ein Cream Soda. Das letzte Mal war ich vor ungefähr drei Monaten da. Mein Bruder und ich waren auf dem Weg zu meinem Laden in Soho, da packte uns plötzlich der Heißhunger, und wir machten einen Abstecher.

Seite 2: Die Eleganz der Upper East Side

  • FTD.de, 07.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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