Schauspieler Daniel Craig hatte ein hartes Los: Um bei seinem Debüt als James Bond eine gute Figur zu machen, musste er in himmelblauer Badehose so gut aussehen wie Sean Connery. Der hatte 1965 leicht bekleidet in "Feuerball" seinen Ruf als Sexobjekt gefestigt und einen Trend gesetzt: die Panty. Jene kastig geschnittene, eng anliegende Hose, in der auch Craig für "Casino Royale" aus den Fluten des Mittelmeers stieg, und die - nicht zuletzt dank Craigs Auftritt - jetzt wieder en vogue ist.
Wer auf Capri, in Portofino oder Saint-Tropez bei der Strandshow dabei sein will, ist mit der Panty gut bedient. Auf den Schauen der Frühjahr/Sommer-Kollektionen in Mailand war das knappe Stück das meist gezeigte Modell. Alessandro Dell'Acqua ebenso wie D&G setzen die Hose tief auf der Hüfte an und unterstreichen, was diese Passform eh schon fordert: einen fettfreien, gestählten Körper, vorzugsweise mit Waschbrettbauch. Auch das Designerduo Dan und Dean Caten vom italienischen Label Dsquared steuert Pantys bei - und macht sich dazu noch profunde Gedanken: "Der schlanke Körper eines Rettungsschwimmers sieht besser aus als einer mit Rettungsringen", sagen sie und ermahnen Schreibtischhocker zum Vorbräunen unter der Kunstsonne: "Niemand muss am Strand aussehen wie ein Mozzarella."
Voraussetzungen, die die Boys von Ipanema spielend erfüllen. "Ich habe mich an den Stränden in Rio de Janeiro umgesehen und hauptsächlich Sungas entdeckt", sagt Elias Weber, Miteigentümer des Internetshops Beachwearbrasil. Sungas, das ist die brasilianische Bezeichnung für Pantys. Zum neuen, textilbetonten Lebensgefühl passen auch die Designs des australischen Kultlabels Aussiebum. "Piña Colada" oder "Tequila Sunrise" heißen die hochprozentig exotischen Modelle der Serie Tropicana, verlockend finden Modebewusste auch die Prints "Chocolate" oder "Strawberry" aus der limitierten "Milkshake"-Serie. Wer diese Badehosen tragen will, muss nicht unbedingt so umwerfend aussehen wie Daniel Craig, aber ähnlich viel Selbstbewusstsein haben. "If you doubt yourself, wear something else!" - Wenn du an dir zweifelst, zieh was anderes an! - lautet das Motto, das Sean Ashby und Guyon Holland ihren Aussiebum-Kollektionen zur Seite stellen. Die Inhaber des 2001 gegründeten Labels behaupten: "Je wohler sich ein Mann in seiner Badehose fühlt, umso besser sieht er darin aus." Ihr konkreter Stylingtipp: "Die Farbe der Badehose muss im Gegensatz zum Hautton stehen."
Kontrastreich und damit genau richtig fürs anspruchsvolle Schaulaufen in Miami Beach oder am Strand von Careyes in Mexiko treibt es auch John Galliano: Er schickt seine Kunden in knapp sitzendem Tigerprint, Pink oder Neongrün in den Sand.
Selbst der traditionelle US-Hersteller Gant, bekannt für weite, sportliche Shorts und den casual orientierten Stil der amerikanischen Ostküste von Long Island und Martha's Vineyard, hat in diesem Jahr Kastenbadehosen im Programm. Die limitierte Kollektion entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Ocean Futures Society heraus, einer Organisation des Meeresforschers und Umweltschützers Jean-Michel Cousteau. Lässige Surfershorts, sagt Designer Andreas Gran, kamen bei diesem Projekt nicht infrage: "Wir brauchten einen Unterwasserlook. Deshalb haben wir erstmals enge Badehosen entworfen, in denen man bequem schwimmen, aber auch in einen Taucheranzug schlüpfen kann."
Ganz anders punkten Strandgänger auf Barbados, Mustique und St. Barth. Hier lautet die oberste Baderegel: lässig. Inselurlauber, die entspannen wollen, ohne aus diesem Rahmen zu fallen, können bei Bottega Veneta fündig werden; Tomas Maier hat dezente Muster in gedeckten Farben ins Spiel gebracht. Wer dagegen die Blicke auf sich lenken möchte, watet besser in den knallbunten Paisley-Shorts von Etro den Wellen entgegen.
Ob in St. Barth, Portofino oder an der Copacabana, beim Sprung ins Wasser blähen sich Boxershorts wie Medusen. Dieser Problematik hat sich die Firma Vilebrequin angenommen und Textilien mit "Anti-Ballon-Effekt" entwickelt: Die Luft entweicht durch eine feine Perforation. Einfallsreich sind auch die bunten Dessins der Franzosen: Auf den Shorts tummeln sich Flamingos, Hunde, Donuts und Törtchen.
Wer süßes Gebäck lieber im Magen als auf der Hose hat und 007-Maße nur von der Leinwand kennt, sollte von der riskantesten aller Sonnentextilien Abstand halten - Badehosen in Slipform sind definitiv nur für Männer mit Idealfigur geeignet. Also Finger weg von kessen Valentino-Minis! Egal an welchem Strand.