FTD.de » Lifestyle » Luxus » Die neue Freiheit

Merken   Drucken   06.06.2007, 16:00 Schriftgröße: AAA

Möbel für draußen: Die neue Freiheit

Zwischen Pool und Pappel breitet sich ein mondäner Lebensstil aus. Dafür war es höchste Zeit, findet Susanne Frömel und fährt den Möbelwagen vor.
Natürlich könnte man einfach irgendeinen Stuhl nehmen. Oder eine Liege. Die könnte man aufstellen, einen Sonnenschirm darüber aufspannen und fertig. Es würde ja reichen, theoretisch. Man könnte die Bienen summen hören und die warme Luft in die Lungen saugen. Denn schließlich geht es im Wesentlichen darum, draußen zu sein. Es ist ein elementares Bedürfnis des Menschen - auch in der Stadt - dort zu sein, wo seine Wurzeln liegen: in der Natur. Ein wenig Gras unter den Füßen, ein wenig plätscherndes Wasser, frische Luft. Mehr braucht es nicht, um glücklich zu sein. Und haben nicht aus diesem Grund Generationen vor uns ihre Sommer auf unbequemen Stühlen verbracht, deren stramme Plastikschnüre die Haut zerfurchten?
Zum Glück ist die neue Klasse der Gartenmöbel ausgereifter. Der Regel "form follows function" entsprechend, wurde am Material und an dessen Verarbeitung gefeilt, um den Aufenthalt im Freien schlichtweg bequemer zu gestalten. Was das Design anbelangt, so wächst die Vielfalt langsam, doch wahrnehmbar. Der Geschmack der Kunden ist differenzierter geworden, die ästhetische Abgrenzung zum Nachbarn wird wichtiger. Eine Entwicklung, die für alle Lebensräume gilt: Erst waren es die Küchen, in die viel Geld gesteckt wurde. Dann kamen die Bäder. Und jetzt sind es die Gärten. "Cocooning" war die Devise, die in den 90er-Jahren von Trendforschern als zukunftsträchtig ausgewiesen wurde, der Rückzug ins Private, das Streben nach Ruhe als Antwort auf eine hektische und mitunter bedrohlich wirkende Welt der Globalisierung und der Kulturkämpfe. Die oft strapazierte Formel bewahrheitet sich auch im Garten. Er ist Zuflucht, ein irdisches Eden, das Paradies vor der Haustür.
Ins Paradies stellt man nicht irgendwas. Fließend und warm soll das Design sein, vieles sieht aus wie von der Natur selbst geformt, die Farben sind hell und freundlich. Und die Kunden wissen, warum sich die Investition in hochwertige Möbel lohnt: Die Methoden zur Materialverarbeitung sind völlig andere als noch vor ein paar Jahren. Das Holz bleicht nicht mehr aus, bis es aussieht wie gestrandetes Treibholz. Metall blitzt und funkelt auch nach Jahren noch. Und dann gibt es die neuen Kunststoffe, die aussehen wie Naturmaterialien. Der Name Dedon fällt oft in diesem Zusammenhang. Dedon, die Firma des ehemaligen Bayern-München-Torhüters Bobby Dekeyser mit Sitz im norddeutschen Lüneburg, ist momentan der einflussreichste Hersteller ansprechend gestalteter Outdoormöbel. Dedons Markenzeichen, das geflochtene Material der Möbel, erinnert an Rattan, wird jedoch aus Kunststoff gefertigt und ist von makelloser Ebenheit. So entstehen Liegen, Hocker, Tische und Sessel. 13 Kollektionen insgesamt, darunter "Yin Yang", deren wuchtige, organisch geformte Sitzelemente sich aneinanderschmiegen wie von den Naturgewalten geschliffene Findlinge. "Yin Yang", aber auch "Barcelona" und "Soho" stehen für das, worum es aktuell bei der Gestaltung von Gärten und Parks, von Terrassen und Balkonen, Bars und Cafés geht: den Lebensmittelpunkt ins Freie zu verlagern.
"Das Innere wird nach außen getragen", sagt auch Ulrike Leonhartsberger von Viteo. Die österreichische Firma hat im vergangenen Jahr eine Küchenzeile für draußen herausgebracht und schickt nun mit "Bendybay" eine Sitzgruppe hinterher, die - wie ein Garten - veränderlich ist. "Mit ein paar Handgriffen lässt sich das Stück in ein sehr soziales Objekt verwandeln oder in ein einsames", beschreibt der Designer Danny Venlet seine Kreation. "Ich wollte einen eleganten Lounge-Seat für anspruchsvolle Menschen schaffen."
Hoch sind die Anforderungen in vielerlei Hinsicht. Die Möbel müssen extremen Wetterbedingungen standhalten - und sollen viele Jahre lang funktionieren. Sonne, Regen, Hitze, Kälte, Trockenheit, Wind dürfen weder dem Textil, dem Holz, noch den Scharnieren schaden. "Und den Kunden wird es immer wichtiger, dass sie die Möbel das ganze Jahr über draußen lassen können", sagt der Designer, der zwölf Jahre im Sonnenland Australien gearbeitet hat. "Den Anspruch zu erfüllen fällt uns nicht immer leicht." Obwohl es in der Branche wegen der hohen Entwicklungs- und Produktionskosten und des relativ geringen Absatzes als wenig lohnenswert gilt, Gartenmöbel herzustellen, mag kaum eine Möbelmanufaktur darauf verzichten. Es gehört zum Image, die Wohnphilosophie auch für die "Außenräume" anzubieten. Die Gartenliebhaber profitieren allemal vom produktionstechnischen Ehrgeiz der Hersteller. So sind etwa die Stoffe, aus denen die Auflagen gefertigt sind, den alten Geweben weit voraus. Musste man früher beim kleinsten Schauer aufspringen, weil die Hausfrau rief: "Schnell, bringt die Polster in Sicherheit!", gibt es heute Fabrikate mit dem sogenannten Lotuseffekt: Der Regen perlt ab, statt in die Faser einzudringen. Und Kunststoffgewebe werden selbst dann nicht glühend heiß, wenn sie der Mittagssonne ausgesetzt sind. So bleiben auch Po und Beine rötungsfrei und der Aufschrei aus, wenn man sich unbedacht auf den Stuhl sinken lässt. Zudem, versprechen die Hersteller, seien die modernen Materialien UV-beständig und bleichten nicht aus.
Einen Beitrag zum Wohnraum Garten leistet auch Eric Degenhardt. Der Kölner Designer hat sich den Lounge Chair von Herbert Hirche aus dem Jahr 1953 vorgenommen und gartenfest gemacht. Das ursprünglich verchromte Stahlgestell ist nun mit einem hochwertigen Autolack und die Polsterung mit einem Stoff mit Lotuseffekt überzogen. "Ich dachte, dass Hirches Liegesessel eigentlich wunderbar in den Garten passt", sagt Degenhardt und weiß: "Vor ein paar Jahren wäre das eine völlig absurde Idee gewesen." Doch inzwischen steht vieles unter Bäumen oder am Poolrand, was man sich lange nur in vier Wänden vorstellen konnte. "Kokoon" der Firma Royal Botania zum Beispiel. Eine ausladende Himmelbettschaukel aus dunklem Holz und weißem Stoff, deren Schönheit sichfreilich erst auf entsprechend weitläufigem Grundstück entfaltet. Überhaupt finden schwingende Objekte nach der Verbannung der 70er-Jahre-Hollywoodschaukel ihren Weg zurück auf den Rasen. Die dynamischen Kreationen vermitteln eine einfache Botschaft: Der Mensch soll sich wieder in der Natur aufgehoben fühlen.
Das spiegelt sich auch in den Stücken der Designerin Paola Lenti wider. Sie ist eine der wenigen Frauen im Geschäft und gleichzeitig eine Autorität im Outdoordesign. Mit den schwungvollen Linien und kräftigen Farben ihrer "Aqua Collection" bereichert sie das Feld um typisch italienisches Design: pure, wie aus einem Teil gegossene Möbel, zum Teil von gleicher Gestalt wie Stücke ihrer Indoorkollektion. Viteo-Designer Danny Vanlet schätzt, dass 60 Prozent der neuen Außenmöbel auch im Haus eingesetzt werden. So geben die Gestalter, die sich dem Außen widmen, auch Innenräumen ein frisches Gesicht. Dabei erteilen die meisten von ihnen den sperrigen Holzmöbeln früherer Jahre einen Platzverweis und ersinnen luftige, mobile Kreationen. So etwa die italienische Designgruppe Emu, die sich mit den Stahlgittermöbeln "Heaven" aus der "Advanced"-Serie an Klassiker der 50er-Jahre heranwagt und gleichzeitig, wie auch Eric Degenhardt, den Trend zu Möbeln dieser Zeit bedient. Auch das Team um den spanischen Kreativen Gandia Blasco setzt den Weg des Leichten radikal um. Weiß ist die Farbe für Holz, Kunststoffe und Textil, das allenfalls mit dem silbernen Glanz von Stahl kombiniert wird. Die überdachten Sessel, Couches und Outdoorbetten entstehen in Anlehnung an Beduinenzelte und Sänften und transportieren die Ideen von einem unbeschwerten Leben, Wellness und Erholung in den Garten.
Noch reagiert der Markt langsamer als bei der Inneneinrichtung. Nur etwa alle zwei Jahre ergänzen die Designer ihre Kollektionen um neue Stücke. Nicht alles davon ist nützlich, manches nur ein hübscher Spaß. Zum Beispiel die dreibeinige Rutsche des Niederländers Richard Hutten. Das Objekt aus weißem Kunststoff misst sechs Meter im Durchmesser und zählt mit 22.500 Euro zu den kostspieligeren Anschaffungen fürs Leben im Freien. Aber ums Geld geht es bei dem Bedürfnis, in der Natur die Erfüllung zu finden, wohl am wenigsten. "Wenn ich mit einem intellektuellen Freund spreche", hat der Philosoph Bertrand Russell einmal gesagt, "festigt sich in mir die Überzeugung, vollkommenes Glück sei ein unerreichbarer Wunschtraum. Spreche ich dagegen mit meinem Gärtner, bin ich vom Gegenteil überzeugt."
INTERNATIONALE GARTENSCHAU
Royal Botania www.royalbotania.com
Paola Lenti www.paolalenti.com
Gandia Blasco www.gandiablasco.com
Hirche Lounge Chair über www.richard-lampert.de
Richard Hutten Slide www.richardhutten.nl
  • FTD.de, 06.06.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  Bilderserie Eurovision Song Contest Das war der ESC 2012
  20.05. Das will ich auch Der Wetlook von François Hollande
Das will ich auch: Der Wetlook von François Hollande

Oh, là, là, Monsieur Hollande! Wet-T-Shirt-Look in Hemd und Anzug. Feuchtglänzender Zwirn, eng an den Körper geschmiegt, optisch ganz nah dran an Lack und Leder. Und das in den ersten Tagen im Amt als neuer französischer Präsident. Das hätte dem Mann niemand zugetraut. mehr

  21.05. Elektrisch unterwegs Einparken mit dem Opel Ampera
Elektrisch unterwegs: Einparken mit dem Opel Ampera

Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Opel Ampera. mehr

14 Bewertungen  

Mehr zu: Ampera, Einparken, Opel

  26.02. Quiz Kennen Sie die Oscars?

In Hollywood werden zum 84. Mal die begehrten Goldjungen vergeben. Testen Sie Ihr Wissen über eines der größten TV-Spektakel des Jahres.

Frech wie Oscar: Schon vor der Verleihung gab es den ersten Skandal. Der ursprünglich als Produzent vorgesehene Brett Ratner musste sein Amt wegen kontroverser Äußerungen aufgeben. Was hatte Ratner gesagt?

Quiz: Kennen Sie die Oscars?

Alle Tests

LUXUS

mehr Luxus

REISE

mehr Reise

ENTERTAINMENT

mehr Entertainment

OUT OF OFFICE

mehr Out of Office

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote