FTD.de » Lifestyle » Luxus » Australkörper

Merken   Drucken   17.09.2008, 16:00 Schriftgröße: AAA

Reportage: Australkörper

Sydney ist die neue Modestadt: Auf der Australian Fashion Week tragen nur die Blogger Schwarz, Russen reißen sich um knappe Bademode, Kalifornier bestellen streichholzenge Hosen, und selbst einem distinguierten Briten kommen am Ende die Tränen. Julica Jungehülsing hat sie alle gesehen.
Stilettos klackern nervös auf dem Kopfsteinpflaster, der Abendwind föhnt blonde Mähnen, Dekolletés glitzern. Seidenschals werden gezupft und knappe Capes noch etwas enger gezogen. Albert Morris' schwarz-graue Strickjacke ist die mit Abstand schlichteste Kutte in der Endlosschlange vor Sydneys Cargo Theatre. Miro, Platzanweiser und Regent der ersten Reihe, winkt den Herrn im Cardigan gleich nach der Fotografenhorde in den Saal. Morris ist erschöpft, aber gut gelaunt. Für den Einkäufer von Londons trendsicherem Modehaus Browns ist es die letzte von über 60 Schauen der Rosemount Australian Fashion Week (RAFW), und er sitzt nur noch aus reiner Lust im Saal. Schwärmerisch rollt er mit den Augen, nach Maßstäben britischen Understatements fast ein Ausbruch an Emotionalität. "Akira Isogawas Sachen sind wunderbar", raunt Morris. "Ich habe schon gekauft." Er grinst, als sei ihm ein besonderer Streich gelungen: "Alles." Dann lehnt der Gentleman in Grau sich auf seinem Klappstuhl zurück und sieht zu, wie halb Sydney mit König Miro um die besten Plätze flirtet.
Schau von Easton Pearson   Schau von Easton Pearson
Der Engländer ist 12.000 Kilometer weit geflogen, um Australiens Modefest zu sehen. Jedes Jahr im Frühling zeigen sie dort die Mode der nächsten Sommersaison, die in Australien im europäischen Winter beginnt. Das, was er sah, hat ihn fast ausnahmslos begeistert. "Manches war mir etwas zu dunkel", sagt Morris. "Aber die meisten der Designer sind umwerfend unbeschwert und offen. Sie haben viel Sinn für Humor und sind dabei wunderbar selbstbewusst."
Das war längst nicht immer so. Als Simon Lock, langbeiniger Visionär, Skilehrer und PR-Genie, die Australian Fashion Week 1995 gründete, hatte der Rest der Welt von den meisten der Modemacher noch nie etwas gehört. Mit Ausnahme vielleicht von Collette Dinnigan, deren Entwürfe es damals schon nördlich des Äquators gab. 13 Jahre später ist die Fashion Week ein Spektakel: Aus einem Dutzend Shows wurden mehr als 60, über 100 Designer aus Australien und Neuseeland zeigen ihre Kollektionen. Und mehr als 100 Einkäufer aus aller Welt gucken zu. Dazwischen tummeln sich nationale Prominenz und Medienvolk. Und dies nicht mehr wie einst in einer öden Messehalle, sondern im Überseeterminal direkt am Wasser: zwischen Hafenbrücke und Oper mit der glitzernden Skyline im Hintergrund.
Dass ein Modeereignis in der ersten Liga angekommen ist, erkennt man nicht zuletzt daran, dass es seine eigenen Skandälchen produziert. Und bitte: Zu dünne Models werden bei der RAFW zum Essenfassen, zu junge nach Hause geschickt, Verdienstkreuze auf coolen Blazern erzürnen Kriegsheimkehrer, TV-Stars halten in der ersten Reihe die falschen Händchen. "We love Fashion Week", jubeln die Klatschblätter, derweil ihre Autoren auf ausufernden After-Show-Partys verloren gehen.
Und natürlich wird Geld gemacht, jedes Jahr ein bisschen mehr. 2 Mio. australische Dollar brachten die Verkäufe anfangs in die Kasse, mittlerweile sind es über 100 Mio. australische Dollar, das sind 60 Mio. Euro. Vergangenes Jahr exportierte Australiens junge Modebranche Kleider für über 146 Mio. Euro. Das blieb auch international nicht ungesehen. RAFW-Erfinder Lock, ganz Visionär, verkaufte die Fashion Week vor zwei Jahren dem amerikanischen Modelkonzern International Management Group (IMG). Die Parade dirigiert er weiterhin höchstpersönlich. Und zieht den Hut vor Australiens Designern, die derlei Erfolg erst möglich machen.
Von Ksubis ultralässigen Surferjeans bis hin zu Alex Perrys pompösen Abendroben: Modekennern fallen beim Stichwort Australien längst nicht mehr nur Billabong und Surferklamotten ein. 60 Label vom fünften Kontinent werden mittlerweile in Europa und den USA, in Hongkong und Singapur ebenso wie in Japan, China und Indonesien verkauft.

Teil 2: Ein wenig Neon um die Augen

  • FTD.de, 17.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  Bilderserie Eurovision Song Contest Das war der ESC 2012
  20.05. Das will ich auch Der Wetlook von François Hollande
Das will ich auch: Der Wetlook von François Hollande

Oh, là, là, Monsieur Hollande! Wet-T-Shirt-Look in Hemd und Anzug. Feuchtglänzender Zwirn, eng an den Körper geschmiegt, optisch ganz nah dran an Lack und Leder. Und das in den ersten Tagen im Amt als neuer französischer Präsident. Das hätte dem Mann niemand zugetraut. mehr

  21.05. Elektrisch unterwegs Einparken mit dem Opel Ampera
Elektrisch unterwegs: Einparken mit dem Opel Ampera

Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Wir stellen jede Woche einen neuen Wagen ab. Diesmal den Opel Ampera. mehr

14 Bewertungen  

Mehr zu: Ampera, Einparken, Opel

  26.02. Quiz Kennen Sie die Oscars?

In Hollywood werden zum 84. Mal die begehrten Goldjungen vergeben. Testen Sie Ihr Wissen über eines der größten TV-Spektakel des Jahres.

Frech wie Oscar: Schon vor der Verleihung gab es den ersten Skandal. Der ursprünglich als Produzent vorgesehene Brett Ratner musste sein Amt wegen kontroverser Äußerungen aufgeben. Was hatte Ratner gesagt?

Quiz: Kennen Sie die Oscars?

Alle Tests

LUXUS

mehr Luxus

REISE

mehr Reise

ENTERTAINMENT

mehr Entertainment

OUT OF OFFICE

mehr Out of Office

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote