Der Handschuh als Symbol der Moderne
Ein Auto ließ sich ohne Handschuhe schlecht lenken, weil die Holzlenkräder glatt waren und der Schweiß der Hand Flecken hinterließ. Flugzeuge waren offen und die ersten Schiffspassagen in die USA kalt und feucht. Der reiche Reisende zog eine zweite Haut über seine Hände. Ja, auf den Schiffen, den Straßen und in den Zügen waren sie auf einmal mitten im Volk. Handschuhe wurden zum wichtigsten Distinguierungsmittel, zum Schutz, um sich nicht die Hände schmutzig zu machen.
Es gab zwar bereits grobe dicke Lederfäustlinge oder schnell rissige Fingerhandschuhe, aber Dante Trussardi, der Mann, der nach Bergamo zog, laborierte an einer neuen Generation Handschuhe, feinstes Chevreauleder von der Ziege, hauchdünn mit unsichtbaren Nähten, das Statussymbol der neuen Zeit. "I guanti di Trussardi" wurden schnell zu einem Welterfolg, in London, Paris oder New York konnten die teuren Läden die Nachfrage kaum bedienen. Trussardi war damals das Label, das auch den Siegeszug "Made in Italy" anführte, lang vor Gucci oder Armani. Und man kann davon ausgehen, dass bei der Katastrophe der "Titanic" 1912 auch Handschuhe von Trussardi untergingen.