Illustration: Daniel Matzenbacher
Alle Kooperationen von H&M mit Designern sind in meinen Augen menschenverachtend und lebensverneinend. Bei Matthew Williamson hat sich mir der Magen umgedreht, billig und lieblos hingen die Kleider in Pink, Grün und Gelb in einer Ecke. Bei Stella McCartney war ich geradezu entsetzt. Wie konnte sie erlauben, dass schlecht zusammengeklebte Fetzen aus einem Material, mit dem in Bangladesch Kinder gewickelt werden, unter ihrem Namen angeboten wurden? Bei Jimmy Choo: dito. Den Vogel aber schoss die von mir sonst sehr geachtete Strickmodedesignerin Sonia Rykiel ab. Ich war noch eingeschnappt, weil wieder ganz Zürich außer mir zu der Präsentation eingeladen worden war, da sah ich die Bilder von dem Event. Die Models sahen aus wie das Flugpersonal von Easyjet. Ihre Kleider: zwar pink statt orange, aber sonst gleicher Schnitt, gleicher Stoff. Ich möchte noch erwähnen, dass die sogenannten Designerstücke immer doppelt so teuer sind wie normale Teile von H&M, nur sehen die normalen Teile im Vergleich hochwertig aus.
Und jetzt Lanvin. Lanvin!!! Wie kann Designer Alber Elbaz das tun? Das ist, als würde ich eine Sexkolumne für den "Hustler" schreiben. Braucht er das Geld? Denkt er, so gewinnt er Kundschaft? Nein, er verliert sie. Mich zum Beispiel, denn ich kann meine Lanvin- Kleider nicht mehr anziehen. Jetzt, wo von chinesischen Kindersklavenhänden zusammengeheftete Karikaturen an Leute verkauft werden, die bereit sind, am ersten Verkaufstag um sechs Uhr morgens im Novembernebel dafür Schlange zu stehen.
Bevor ich hier in eine falsche Schublade gesteckt werde, möchte ich betonen, für wie ungeheuer fortschrittlich ich es halte, dass überhaupt etwas wie H&M existiert. Als ich ein Teenager war, gab es Esprit und Benetton für die Mittelschichtskinder. Danach kamen Lacoste und Chevignon. Fand ich alles blöd. Ich wollte Jil Sander, Joop und Daniela Bechtolf. Ankleiden mit Attitüde war damals entsetzlich schwierig, alles war entweder zu spießig oder zu teuer. Aber man wusste eine neue Lederjacke zu schätzen und trug sie mindestens drei Jahre. Das Label zählte nicht, die Jacke musste stimmen. Solange das Leder handschuhweich war und der Strickbund exakt auf der Hüfte saß, war alles okay. Selbst wenn die Jacke bei Peek & Cloppenburg gekauft werden musste, weil meine Mutter sich weigerte, Geschäfte zu betreten, in denen Siouxsie and the Banshees lief und die Verkäufer aussahen wie Punks.