FTD.de » Lifestyle » Das Luxusmagazin der FTD » "Ich schreie nicht, ich bin Buddhist"

Merken   Drucken   31.10.2009, 10:00 Schriftgröße: AAA

Designer Peter Schmidt: "Ich schreie nicht, ich bin Buddhist"  

Peter Schmidt hat dem Produktdesign made in Germany internationales Ansehen beschert, viele Parfüms wurden in seinen Flakons weltberühmt. An Ruhestand denkt der Hamburger noch lange nicht. Bianca Lang sprach mit ihm über Kölnisch Wasser, vollendete Formen, Theaterleidenschaft und Dieter Bohlen. von Bianca Lang 
Financial Times Deutschland: Herr Schmidt, Ihre Logos und ­Produktdesigns haben unseren Alltag geprägt. Apollinaris, Beck's Bier, die Trophäe des Deutschen Fernsehpreises, etliche Parfümflakons - das alles und mehr trägt Ihre Handschrift. Was lernt man über die Deutschen, wenn man so viel für sie gestaltet?
Peter Schmidt: Man lernt, ihre Mentalität zu verstehen. Bei Kaffee, Bier oder Schokolade zum Beispiel sind Deutsche sehr traditionell. Bier muss wie Bier aus­sehen, nicht wie ein Modegetränk. Der Biertrinker urteilt nach dem Etikett. Sieht das Rot auf der Beck's-Flasche nur einen Hauch zu hell aus, behauptet er, das Bier schmecke anders. Ähnlich beim ­Kaffee: Nach dem Krieg, als es wieder echten Kaffee gab, wollten die Deutschen Kaffeebohnen auf der Verpackung sehen. Das ist noch heute so. Deutsche sind nur schwer an Neues zu gewöhnen.
FTDi: In den vergangenen Jahren haben Sie sich den schönen Künsten zugewandt und sehr erfolgreich Bühnenbilder entworfen. Aber dann verpassten Sie plötzlich dem urdeutschen 4711 einen neuen Flakon. Sind Sie zurück an der Flasche?
Schmidt: Ich habe das Potenzial dieser Marke immer gesehen. Denn für die ursprüngliche Eigentümerfamilie, die 1994 so zerstritten war, dass die Firma erst an Wella und später an Procter & Gamble verkauft wurde, habe ich schon früher gearbeitet. 4711 ist dann von den Amerikanern völlig vernachlässigt worden, und als es wieder nach Deutschland verkauft wurde, war ich sehr dafür. Die Marke funktioniert international: Jede Kultur kann 4711 lesen. Aktuelle Verkaufszahlen, zum Beispiel bei Harrods, bestätigen das.
FTD: Meine Großtante benutzte 4711.
Schmidt: Ich habe versucht, 4711 ohne dieses verstaubte Image zu sehen. Das war schwierig, aber spannend. So eine Aufgabe bekommt man selten. Etwas Neues zu machen ist einfach, viel leichter, als einer Marke mit Oma-Flair neuen Glanz zu verleihen. Aber sie war mir einfach sympathisch, wie sie da in der Ecke stand. Genau wie ich früher in der Schule.
FTD: Wieso standen Sie in der Ecke?
Schmidt: Weil ich frech war.
FTD: Und 4711?
Schmidt: Weil es nicht frech war.
FTD: Der Flakon ist relativ verspielt. Sind Sie nicht eher ein Purist?
Schmidt: Ich denke ja, denn so habe ich mein Metier gelernt. Meine Lehrer waren Bauhaus-Schüler. Ihre Strenge hat mich enorm geprägt, und so ist mit mir ein deutscher Stil in die Parfümwelt eingezogen. Chanel-Flakons in den 70er- und 80er-Jahren waren geschwungen und mit Blümchen verziert. Dann kamen wir mit unseren viel nüchterneren Designs für Hugo Boss, Joop und Jil Sander. Das war international erfolgreich. Bis heute ist Davidoff Cool Water das meistverkaufte Herrenparfüm. Damals versuchte Estée Lauder, mich abzuwerben, und ich wurde mit der Concorde nach New York eingeflogen. Auch die Japaner waren ­vernarrt in die deutsche Strenge, weshalb ich eine Zeit lang häufig in Japan gearbeitet habe.
FTD: Ihre Villa ist voll mit ­japanischer Kunst.
Schmidt: Ich liebe Japan, ich könnte dort leben. Man muss nur die Rituale berücksichtigen, um dort sein Ziel zu erreichen. Der Chef einer Firma, für die ich ­Coffeeshops entworfen habe, sagte mal zu mir: "Petersan, was du sagst, gilt. Aber du musst bis nachmittags schweigen und es erst dann sagen." Und so war's. Die ­Japaner brauchen die Qual der langen Diskussion. Und wenn dann jemand eine brauchbare Lösung vorschlägt, sind sie erleichtert. Ich liebe Rituale, sie sind mühsam, aber gut für den Kopf. Auch die japanische Vorsicht im Umgang miteinander hat mich immer beeindruckt. Die ­Zuverlässigkeit und Disziplin.
FTD: Das sind sehr deutsche Tugenden.
Schmidt: Ja, wobei uns die Zuverlässigkeit etwas ­abhandengekommen ist.

Dieses ist ein kostenpflichtiger Inhalt der FTD. Bitte melden Sie sich an, um fortzufahren!

Abonnenten
Sie haben kostenlosen Zugang zum Weiterlesen oder Herunterladen. Bitte melden Sie ich mit Ihren Zugangsdaten über die Anmeldebox an.

Nicht-Abonnenten
Wenn Sie Interesse an einem FTD-Abo haben, informieren Sie sich über die verschiedenen Abo-Angebote unter www.ftd.de/abo-vergleich.

Alternativ können Sie für den Zugriff auf den gewünschten Inhalt ein Tagesticket erwerben. Für den Erwerb eines Tagestickets müssen Sie bei uns registriert sein (zur Registrierung). Nach Registrierung melden Sie sich einfach über die Anmeldebox an. Anschließend können Sie das Tagesticket erwerben.

Das Tagesticket bietet für 2,50 € einen 24-Stunden-Vollzugriff auf...

  • ...alle Premium-Artikel auf FTD.de
  • ...das aktuelle ePaper (Zeitung als PDF) und 1-Monats-Archiv der FTD
  • ...die Nachmittagsausgabe FTD 17 Uhr (PDF)
  • ...alle Sonderbeilagen der FTD (PDF)
  • ...alle älteren Ausgaben der FTD über einen Archiv-Zugang
  • ...alle archivierten Online-Artikel
Login

Statten Sie Ihre Mitarbeiter oder Key-Accounts mit dem Informationsangebot der FTD aus. Über Unternehmenslösungen für Abonnements oder Online-Zugänge informiert Sie gern unsere Abteilung Business Cooperations, corporate-solutions(at)ftd.de.

Bei Fragen rund ums Abo wenden Sie sich bitte an unsere Service-Zentrale unter kundenservice@ftd.de
Bei Fragen oder Problemen zu Ihrer Einzelverkaufsabrechnung wenden Sie sich bitte direkt an Click & Buy
  • FTD.de, 31.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Technopolis
  • Technopolis: Smart nicht nur im Puschenkino

    Hiesige Innenstädte werden in den Vorweihnachtstagen zu Schlachtplätzen, auf denen Glühwein- und Bratwurstduft die Angstschweißgerüche männlicher Geschenkesucher überdecken. Unser Autor hat die richtigen Gadgets für die Höllentage. mehr

  13.12.2011 Room Service Asien im Vorbeifahren - Myanmar per Schiff
Room Service: Asien im Vorbeifahren - Myanmar per Schiff

Beeindruckende Natur am Ufer, nobler Luxus an Bord: Wer sich auf die "Road to Mandalay" begibt, reist auf dem Schiff über den Irrawaddy - ganz wie einst die reichen Kolonialwarenhändler. mehr

3 Bewertungen  

  05.12.2011 Genuss Flaschenpost von Alexander Koblinger
Genuss: Flaschenpost von Alexander Koblinger

Das erste Mal ist es etwas ganz besonderes - und war auch für den Sommelier des Restaurants Obauer ein unvergesslicher Moment. Der Bruno Paillard N.P.U. mit seiner überwältigenden Aromenfülle ist für Koblinger immer noch ein Highlight. mehr

Mehr zu: Genuss

Life & Style

  09:22 Dinner der Deutschbanker

Bilderserie Die FTD-Karikaturen vom 30. Januar bis heute mehr

Mehr zu: Karikaturen

Karikiertes Leben: Dinner der Deutschbanker (10) Ausstellung: Gerhard Richter - erfolgreichster Maler der Gegenwart ... Eiseskälte: Winter hat Europa im Griff (8) Hollywood in Brandenburg: 100 Jahre Babelsberg (11) Bildergalerie: Die schönen Seiten der Kälte (11) Ausstellung: Saul Leiter - Fotos wie gemalt (6) Ausstellung: Die surreale Welt des HR Giger (6) Bildband: Urlaub skurril (11) Karikiertes Leben: Is was? (5)
LUXUS

mehr Luxus

REISE

mehr Reise

ENTERTAINMENT

mehr Entertainment

OUT OF OFFICE

mehr Out of Office

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote