Eine Easyjet-Maschine fliegt über den kleinen Ort Selchow bei Berlin
Wer Selchow auf den neuen Landkarten sieht, denkt spontan: Und da sollen Menschen leben? Wer nach Selchow rausfährt, sieht: Ja, hier leben Menschen. Und viele von ihnen werden auch dann noch hier leben, wenn der neue Flughafen richtig Kerosin gibt. Wer durch Selchow läuft und mit den Bewohnern spricht, kann lernen, wie unterschiedlich Menschen mit dem Lärm umgehen, wie unterschiedlich ihre Erwartungen an die Politik sind, an die Flughafenmanager und ihr eigenes Leben.
Astrid Nold und Uwe Brosinski gehören zu den Stoikern. "Ich bin '68 geboren", sagt Nold, "so lange, wie ich lebe, fliegen die Flugzeuge. Und früher die Russenmaschinen waren viel lauter." Dann sagt sie: "Sind wir doch mal ehrlich: Wer ist noch nicht mit dem Flugzeug in Urlaub geflogen?"
Das klingt allerdings noch selbstloser, wenn man weiß, dass Astrid Nold vor Kurzem zum ersten Mal im Leben in einer Maschine gesessen hat. Zu ihrer Tochter nach Köln ist sie geflogen. "War schon praktisch, wie Busfahren."
Ihr Lebensgefährte Uwe sagt: "Ich bin ein Flugzeugfanatiker." Dabei hat er Flugangst und würde eine Maschine freiwillig nicht betreten. Aber er kann jedes Flugzeug am Himmel genau typisieren. Schon jetzt freut er sich auf die Internationale Luftfahrtausstellung, die ILA, die direkt neben Selchow stattfinden wird. Der A380 direkt über seinem Grundstück - für Brosinski das Größte. "Aber hier die Scheune müsste weg, dann könnte man noch besser gucken", sagt er.