Was mich irritiert, ist der offensichtliche Bedarf an organisierter Romantik. Die Stundenherbergen, in denen es klaustrophobisch hausende Pärchen in Japan zwischenmenschlich, pardon, krachen lassen, kennt man.
Aber wer checkt in ein Kuschelhotel ein?, fragte ich mich kürzlich beim Blick in eine Werbebroschüre. In Deutschland wohnt man schließlich nicht so beengt wie in Nippon. Der Verfasser jedenfalls muss ein Grimm'sches Märchen zu viel gelesen haben. Von prunkvollen Schlössern mit weitläufigen Gärten, darin Prinzessinnen, die vom herangaloppierenden Prinzen träumen, ist da die Rede. Die Beschreibung der Zimmer offenbart dann einen Themenpark der Liebe, jegliche Fantasie und Spontaneität erstickend und überladen. Himmelbett, künstlicher Sternenhimmel über dem - na klar - Whirlpool, Panoramablick und Kuschelecken bis die verklärten Auge tränen. Der Gartenteich der Anlage? Herzförmig. Im Romantikwald verewigen sich die Glückseligen in der Borke verwunschener Eichen. Die Botschaft: Wer sich hier nicht bei drei auf dem Bärenfell wälzt, ist ein Eisblock.
Nach derart zuckriger Lektüre musste ich Kalorien abrennen. Und grübeln, warum mich das Konzept "Kuschelhotel" so frösteln lässt. Ich dachte an "Can't Buy Me Love" und dass es für romantische Stunden keine Instantlösung geben sollte. Denn sich innig zugeneigte Menschen brauchen weder Blubberwanne noch Lichterketten-Firmament. Ihnen genügt das Bett im Kornfeld.