Sie machen sich keine Vorstellung, was es hier alles zu ermitteln gibt. Ich übernehme dabei keinen Kleckerkram wie weggefressene Joghurts oder entwendete Locher. Meine schönsten Fälle drehen sich um die großen menschlichen Dramen wie verborgene Amouren und die Erschleichung von Bürogesundheitsstühlen.
Meine Methoden: detailgenaue Beobachtung, nüchterne Schlussfolgerung, scharfe Verhöre in der Kaffeeküche. Mein Detektivblick erkennt einen Babybauch bei Kolleginnen zuverlässig schon ab dem siebten Monat, während die schafsgemütigen Restkollegen dem Wampenwuchs noch naiv auf übermäßigen Schmandgenuss zurückführen.
Derzeit bearbeite ich drei Fälle, über die ich nichts verraten kann, um die Ermittlungen nicht zu behindern. Neulich aber recherchierte ich gerade aushäusig, als zwei Kollegen in ihrem Zimmer das klägliche Gurren einer offenbar irgendwo gefangenen Taube vernahmen. "Wir haben ewig gesucht, hinter den Schränken, in den Schubladen, nirgendwo war der Vogel", erzählten sie später und glucksten vor Vorfreude auf die überraschende Lösung, die sie mir gleich präsentieren würden. Doch Sherlock Rützel hatte den Fall längst gelöst: "Es gab gar keine Taube. Jemand hatte noch das Browserfenster mit Farmville offen, da gab es letzte Woche Tauben als Limited-Edition-Haustiere. Special Feature: lebensechte Gurrgeräusche." Die Kollegen staunten Bierkästen. Ich aber warf mir mein Karocape über, hielt eine Droschke an und fuhr im aufsteigenden Nebel über den Büroflur davon.