Viele junge IT-Arbeiter sind nicht mehr zwingend auf feste Wohnsitze odder Arbeitsplätze angewiesen
Klein gehört zu einer neuen Kaste von Arbeitnehmern, die Technologie bis zum Extrem in ihr Leben integrieren: Diese digitalen Nomaden geben ihre Besitztümer auf und überleben vor allem mithilfe ihrer Laptops und Smartphones. Einige behalten ein paar Habseligkeiten, andere gehen den radikalen Weg und tingeln lediglich mit einem Rucksack durch die Gegend - so, wie Klein es vorübergehend praktiziert hat. Es ist eine Form der selbst gewählten Wohnungslosigkeit, gegen die die viel beschworene "digitale Boheme" mit deutschen Vertretern wie Sascha Lobo geradezu bürgerlich wirkt.
"Ich habe einige Auftragsarbeiten gemacht - Texterjobs, manches aus dem Technikbereich", erzählt Klein über seine Zeit als moderner Nomade. Was auf diese Weise an Honoraren zusammengekommen sei, habe für ihn und seine Frau mehr als ausgereicht: "Viele Hausbesitzer haben uns Essen dagelassen, und Miete mussten wir auch nicht zahlen." Alles kein Problem, solange man keine ausschweifenden Bedürfnisse habe, findet er. Komplizierter ist da schon die Frage, wie man die bürokratischen Dinge des Lebens ohne festen Wohnsitz über die Bühne bekommt. Für Steuerbehörde und Krankenversicherung braucht man schließlich auch in den USA eine feste Anschrift - Klein und seine Frau behalfen sich mit einer Postfachadresse.
Themen wie diese werden in der Online-Diskussionsrunde "Technomads" bei Google Groups besprochen: Dort beschreiben Technikfreaks und Globetrotter ihre Erfahrungen mit dem digitalen Minimalismus. Viele haben sich über einen beschränkten Zeitraum hinweg einem spartanischen Lebensstil verschrieben und ziehen mit Fahrrad oder Wohnwagen, mit Interrailpass oder gar zu Fuß durch die Welt. Manche leben ein paar Monate von ihren Ersparnissen, andere halten sich - wie die Kleins - mit Kurzzeitjobs über Wasser. Ihre Honorare lassen sie sich per Paypal überweisen, die Post geht bei vielen an Internetservices wie Earth Class Mail oder Virtual Post Mail: Dort werden eingehende Briefe gescannt, und der Empfänger kann sie online lesen. So spart man sich sogar das Postfach.