Heilnahrung gegen SeekrankheitUnd Vincent Klink übertreibt nicht. Vor allem in England entwickelt sich nach kulinarisch dürftigen Jahrzehnten eine Leidenschaft für die feine Küche, in deren Folge alte Küchenbreviere zu aberwitzig teuren Sammlerpreziosen aufsteigen. So erzielte vor einem Jahr das in Kalbsleder gebundene Standardwerk "The Art of Cookery Made Plain and Easy" (1747) von Hannah Glasse bei Christie's umgerechnet 14.340 Euro. Es lehrt die Zubereitung von indischen Currys sowie Fleischpasteten und empfiehlt Heilnahrung gegen Seekrankheit.
So unterschiedlich wie die Rezepte sind die Intentionen der Sammler. Suchen Köche Anregungen, so sind Laien auf die Kulturgeschichte der Herrschaftshäuser aus - oder auf die edle Buchausstattung. Besonders barocke Tranchierbücher aus der Zeit um 1600 lohnen als Anlageobjekte. Wunderbare Stiche zeigen Fische und Kapaune, dazu das richtige Messer und wie es angelegt werden muss.
Dass es von frühen Werken oft nur 20 oder weniger Exemplare gibt, verschaffe ihnen einen immensen Wert, erklärt Hans U. Weiss, Leiter der Zürcher Bibliotheca Gastronomica, des größten Koch- und Backbuch-Antiquariats im deutschsprachigen Raum. Weiss hat immer wieder feine Originalausgaben im Angebot, wie kürzlich ein Koch- und Tranchierbuch aus dem Besitz der schwäbischen Kaufmannsfamilie Fugger aus dem 16. Jahrhundert, von dem es nur zwei Ausgaben gibt. Oder das erwähnte "Nürnberger Kochbuch", das die Verlegersgattin Susanna Maria Endter im 18. Jahrhundert mit dem hinreißenden Untertitel "Die aus dem Parnass entlaufene vortreffliche Köchin" veröffentlichte. Der Clou: Die Autorin war die Erste, die komplizierte französische Rezepte ins Deutsche übertrug.