Salamipralinen mit Käseüberzug überm Bett: Prokurist Fritz Jambor im Zimmer der Firma Bedford Fleischwaren
Die Hölle für Vegetarier befindet sich in Zimmer 332. Rohwurst, Brühwurst, Kochwurst, Pasteten, Schweinekopf und Röllchen in Aspik - was immer seinen Weg auch in Metzgereiauslagen finden mag, die liebevoll bebilderte Wurstwaren-Enzyklopädie auf dem Schreibtisch hat ihm einen eigenen Eintrag gewidmet.
Gute-Nacht-Lektüre, schwer wie deutsche Hausmannskost. "Ist doch herrlich, oder?", fragt Fritz Jambor. Der 61-Jährige sitzt auf dem Doppelbett, über dem ein großes Fotoposter hängt: kugelrunde Salamipralinen mit leichtem Käseüberzug, verführerisch in einer Schale drapiert.
"Das ist unser neuestes Produkt", sagt Jambor, der als Prokurist beim Fleischproduzenten Bedford arbeitet. "Saltufo. Salami mit Sommertrüffeln und Parmesan." Das also muss Helge Schneider gemeint haben, als er von einem "Bonbon aus Wurst" sang.
Jambor hat Feierabend, gerade ist eine Tagung des Bundesverbands für Lebensmittelhandel zu Ende gegangen. Stattgefunden hat sie im Food-Hotel in Neuwied. Das Hotel ist seit September offen, und mit ihm hat sich die deutsche Lebensmittelbranche ein Denkmal gesetzt.
Gepolsterte Einkaufswagen in der Lobby
Ein Denkmal, das außerhalb ihrer Kreise wohl nur wenige verstehen: ein Hotel, das aussieht wie ein Supermarkt und 46 Themenzimmer besitzt wie das mit den Wurstpralinen. "Ganz normal ist langweilig", sagt Peter Grünhäuser, Direktor des Hauses, das von zwei Handelsverbänden getragen wird.
Von außen fällt zwar nur der orange Schriftzug des grauen Gebäudes ins Auge, aber bereits hinter den Schiebetüren beginnt eine leicht grotesk anmutende Welt. Die Rezeption erinnert an eine Kasse mit einem angedeuteten Warenband, zum Warten setzt man sich in umgebaute Einkaufswagen, ausgepolstert mit weißem Leder. Ein Charme wie in den Gängen der Metro.
Die Zimmer sind jeweils von einem Großen der Branche gesponsert und einer ihrer Marken gewidmet. Veltins ist dabei und Apollinaris, Ferrero und Prinzenrolle.