Sie haben keine Zeit mehr für echte Freunde? Dann mieten Sie sich doch welche
Ich aber halte mich an das seriöser wirkende Friendstorent und lege mir ein Profil als "angehende Geschäftsfrau" an. Auf der Website sieht es aus wie in jedem anderen Onlinesupermarkt. Statt Stiefeln und Büchern werden hier eben Damen und Herren mit einem Preisschildchen versehen, 4000 bieten schon ihre Dienste an, die der Kunde hinterher mit einem bis fünf Sternchen bewerten darf. Als "passende Angebote" werden mir eine Treuetesterin angezeigt sowie ein "sinnlicher Mann", der ein "unvergessliches Erlebnis zu zweit" verspricht. Darunter versteht er kochen und tiefschürfende Gespräche. Schön, aber vielleicht doch nicht das richtige für den Zeitvertreib am Bahnsteig.
Sinnliche Erlebnisse der anderen Art versprechen die Detailaufnahmen von gepiercten Brustwarzen, die es laut Riva eigentlich gar nicht geben dürfte. Eindeutige Angebote, sagt er, werden sofort gelöscht - allerdings entdecke ich beim Surfen mehr als ein prekäres Profil. Doch die meisten User, das stimmt, bieten schlicht und ergreifend ihre Begleitung an.
So wie David, der "perfekte Allrounder", geeignet "fürs Geschäftliche oder für die Freizeit". Ich schreibe eine Mail, er antwortet: "Ich habe Zeit. Miete mich! *lach*" Und so sitze ich mit einem mir gänzlich unbekannten jungen Mann, der für die nächsten Stunden mein Freund ist, im Berliner Hauptbahnhof bei Starbucks.
Ich rutsche in meinem Sessel hin und her und betone mehrfach, dass ich ihn nur aus Spaß gebucht habe. "Das machen in den seltensten Fällen Leute, die es nötig haben", beruhigt mich David, der das hier auch nicht nötig haben will: Er arbeitet als Einzelhandelskaufmann und für eine Escortserviceagentur.