Kostenlose Dreingaben:Spektakuläre Extras in Hotels
Gratisshampoo, Gratisbonbons, Gratis-W-Lan: Das Schönste am Hotelaufenthalt sind all die kleinen Dinge, für die man nichts bezahlen muss. Vor allem, wenn es sich um derart spektakuläre Dreingaben handelt wie diese hier. von Rainer Leurs
Diesen Servierwagen hier schiebt der Marshmallier im Duane Street Hotel durch die Gänge und verteilt Gratis-Schaumware
Wenn es im Film an der Tür klopft und eine Stimme betont geschäftsmäßig "Zimmerservice!" ruft, dann weiß man als Fernsehzuschauer immer schon genau, wer da wirklich vor dem Zimmer steht. Rollkommando, Pistole im Anschlag - man ist ja nicht blöd. Eigentlich sollte man also nie dem Zimmerservice die Tür aufmachen. Außer im New Yorker Duane Street Hotel, denn dort würde man etwas Außergewöhnliches verpassen: Das Haus beschäftigt einen sogenannten Marshmallier.
Von Donnerstag bis Sonntag schiebt er einen schicken Servierwagen aus gebürstetem Stahl durchs Hotel und verteilt an den Zimmertüren hausgemachten Gourmet-Mäusespeck. Gratis natürlich. Im Programm hat der Süßschaumkellner derzeit Marshmallows in den Geschmacksrichtungen Lavendel, Veilchen, Ingwer, Kardamom und Thymian. Das schmeckt für konservative Zungen vielleicht ein bisschen abartig - ist aber in jedem Fall besser als ein bewaffneter Raubüberfall.
Marshmallier-Service im Duane Street Hotel, 130 Duane Street, New York, www.duanestreethotel.com
Hotelzimmer sind ja so was wie die Klosterzellen des 21. Jahrhunderts. Geschäftsreisende aus aller Welt genießen die monastische Abgeschiedenheit, die so ein Räumchen mit Bett, Schreibtisch und Flachbildfernseher bietet: endlich mal Ruhe finden für ein paar gute Gedanken. Und keine stressigen Kollegen, die ständig irgendwas zu wollen haben. Wenn Sie aber zu jenen Zeitgenossen gehören, die sich ganz ohne Gesellschaft unwohl fühlen, dann ist das Gratisangebot der Kimpton-Gruppe das Richtige für Sie: In sämtlichen Hotels der nordamerikanischen Kette kann man sich an der Rezeption ein Aquarium aushändigen lassen. Samt lebendem Fisch.
"Guppy Love" heißt das Programm, was ein bisschen irreführend ist, weil es sich bei dem Interimsmitbewohner um einen Goldfisch handelt. Um Fütterung und Pflege kümmert sich das Hotelpersonal, sodass man als Gast ganz ungestört die Gesellschaft des Tierchens genießen kann. Dieses hat übrigens gegenüber den Kollegen zu Hause einen entscheidenden Vorteil: Es hält garantiert die Klappe.
"Guppy Love" in allen Kimpton-Hotels, z.B. Hotel Monaco in Washington DC, 700 F Street NW, www.kimptongroup.com
Sicher kennen Sie diese übercoolen Künstlerhotels, in denen man absteigt, um sich mal ein bisschen rocklegendenmäßig zu fühlen - das Chelsea Hotel in New York zum Beispiel. Blöd ist nur, wenn man selber gar kein Rocker ist und noch nicht mal eine Gitarre zum Zertrümmern besitzt.
Randale, Hiebe & Liebe
Die Herbergen der Promi-Skandale
Dieses Problem hat das Hard Rock Hotel in Chicago erkannt. Man bekommt dort an der Rezeption kostenlos eine E-Gitarre geliehen, die man aufs Zimmer mitnehmen und beliebig lang behalten darf. Zur Auswahl stehen 17 Modelle, etwa die Les Paul Custom. Und damit man nicht die Nachbarn nervt mit dem Geklampfe und Gegniedel, kriegt man zur Gitarre gleich Kopfhörer dazu. Auch Rocker werden ja irgendwann mal älter und brauchen ihren Schlaf.
Gerade waren wir ja bereits bei den klösterlichen Eigenschaften moderner Hotels. Das "Study at Yale" in der Neuengland-Stadt New Haven geht noch einen Schritt weiter. Es steht direkt auf dem Campus der renommierten Yale-Universität und inszeniert sich sehr erfolgreich als Herberge für lesefreudige Stubenhocker mit einem gewissen Luxusbedürfnis. Von der Lobby bis zu den Zimmern stehen überall vollgestopfte Bücherregale, in denen man hemmungslos stöbern darf.
Und damit auch die etwas sehschwächeren Gäste ihre rechte Freude daran haben, bietet das Study at Yale kostenlose Lesebrillen an. In der Lobby liegen diverse schicke Modelle des Brillenherstellers Amy Sacks aus, die man jederzeit ausborgen und zum Probeschmökern mit aufs Zimmer nehmen darf. Wir sind uns zwar nicht ganz sicher, wie wir diesen Service aus Hygienegesichtspunkten finden sollen - aber wie sagt man so schön? Geschenkten Brillen schaut man nicht auf die Bazillen.
Gratisbrillen im Study at Yale Hotel, 1157 Chapel Street, New Haven/Connecticut, www.studyhotels.com
Das wohl spektakulärste Hotelgoodie in dieser Reihe stellt das Fairmont Peace in Schanghai seinen Gästen zur Verfügung: eine Gratis-Gasmaske. Aufbewahrt werden die Atemhilfen in pompösen Säckchen aus lila Samt mit Goldborte, und die wiederum findet man jeweils im Schränklein unter dem Waschbecken.
"Fairmont Hotels are doing this to provide a secured living environment", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens, und man weiß nicht genau, ob man sich da nun besonders sicher fühlen soll oder eher unsicher. Immerhin taugt das gute Stück für ein erstklassiges Erinnerungsfoto und sorgt im Bedarfsfall für olfaktorische Distanz zum Zimmergenossen, wenn der mal wieder ... Sie wissen sicher, wo der Gedanke hinführt.
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