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Merken   Drucken   19.05.2011, 11:30 Schriftgröße: AAA

Landwirtschaft per Online-Voting: Farmville in echt

Eines der beliebtesten Online-Spiele ist die Bauernhof-Simulation Farmville. Das britische Projekt “MyFarm” verbindet Spieltrieb und Realität. Mehr als Tausend Menschen betreiben gemeinsam eine reale Farm - per Onlinevoting. von Daniela Leistikow, Hamburg
“Peter hat ein schwarzes Schaf in Farmville adoptiert.” Durch solchen Botschaften erfahren Facebook-Nutzer seit Sommer 2009, welche Fortschritte ihre Freunde bei der Bauernhof-Simulation Farmville machen. Ziel des Spiels ist es, virtuelles Farmland zu bestellen und von den Einnahmen immer hochwertigere Pflanzen, Tiere und Ausrüstung anzuschaffen. In Großbritannien wird das beliebte Spiel Wirklichkeit: Über die Homepage des Projekts MyFarm.org.uk lenken Internetnutzer die Geschicke einer realen Bauernhofs. Bis zu 10.000 Hobbybauern können per Onlinevoting darüber entscheiden, welche Pflanzen angebaut und welche Tiere gekauft werden.
Eine Kuh der Rasse White Park auf der Wimpole Home Farm   Eine Kuh der Rasse White Park auf der Wimpole Home Farm
Wer sich auf der Website des Bauernhofs registriert, bekommt gegen eine Jahresgebühr von 30 Pfund (34 Euro) ein Stimmrecht - und eine Eintrittskarte für einen Besuch auf der Farm. Neben mehr als 1000 Hektar Land gibt es auf der Wimpole Farm in der Grafschaft Cambridgeshire auch seltene Farmtiere zu sehen, wie das Englische Parkrind.
Bei MyFarm geht es aber in Gegensatz zu Farmville nicht nur darum, süße Schafe und Kühe zu adoptieren - sondern irgendwann auch darum, welche Kuh geschlachtet wird. Ziel des Projektes sei es, den Menschen wieder stärker zu vermitteln, woher ihr Essen eigentlich kommt, sagt Fiona Reynolds vom “National Trust”. Diese Stiftung, die sich unter anderem für Naturschutz einsetzt, betreibt das Bauernhofprojekt, bei dem angemeldete Nutzer seit rund zwei Wochen das Sagen haben.
Bei allen Abstimmungen wird in Blogbeiträgen und Videos genau erklärt, wie Landwirtschaft funktioniert. “MyFarm ist Farmville in der Realität: Echte Entscheidungen mit wirklichen Konsequenzen auf der Farm. Indem die Teilnehmer Einfluss auf die Arbeit in Wimpole nehmen, werden sie beginnen zu verstehen, welche Effekte und Folgen ihre Entscheidungen haben” sagte Farm-Manager Richard Morris. “Sie werden auch beobachten, wie unvorhergesehen Ereignisse ein profitables Jahr beeinträchtigen.”
Ein Bauernhof im Spiel Farmville   Ein Bauernhof im Spiel Farmville
Zunächst geht es nur um den Anbau von Pflanzen. In einer ersten Abstimmung am 12. Mai hatten die Hobbybauern zu entscheiden, ob auf einem Feld Gras ausgesät wird. Wenn es genug regnet und die Aussaat gedeihen kann, wird der Boden dadurch fruchtbarer. Fällt zu wenig Regen, wächst das Gras nicht und die Farm verliert 3.500 Pfund. So viel kostet das Aussähen und das Saatgut. Die Teilnehmer konnten auch dafür stimmen, kein Gras zu pflanzen. Das minimiert zwar das finanzielle Risiko, bringt aber auch keinen Mehrwert. Und Kosten verursacht der Acker trotzdem: Unkraut muss regelmäßig entfernt werden.
Drei Tage hatten die Cyber-Bauern Zeit, sich zu entscheiden. 88 Prozent votierten dafür, trotz des finanziellen Risikos zu säen. Als am 15. Mai dicke Regentropfen auf die dunkle Erde des Feldes fielen, war die Freude in den Kommentaren auf der Website groß: “Es hat geregnet! Ich habe in meinem Leben noch nie so sehr auf Regen gehofft”, schreibt Farmer Alice auf dem Newsblog von MyFarm. “Ich habe sogar den Wetterbericht auf jedem Fernsehkanal angesehen, falls in einem von ihnen Regen in der Wimpole Region angekündigt wird.”

Teil 2: Abstimmung per Smartphone-App

  • FTD.de, 19.05.2011
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