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Merken   Drucken   23.08.2011, 18:17 Schriftgröße: AAA

Nachruf Vicco von Bülow: Loriots Sofa bleibt leer

Ob als Herr Müller-Lüdenscheid in der Badewanne oder als Herr Hoppenstedt beim Streit um einen Kosakenzipfel: Vicco von Bülow war einer der bedeutendsten Humoristen Deutschlands. Der Mann, der Loriot war, ist am Montag im Alter von 87 Jahren gestorben.
© Bild: 2011 dapd/Uwe Lein
Ob als Herr Müller-Lüdenscheid in der Badewanne oder als Herr Hoppenstedt beim Streit um einen Kosakenzipfel: Vicco von Bülow war einer der bedeutendsten Humoristen Deutschlands. Der Mann, der Loriot war, ist am Montag im Alter von 87 Jahren gestorben. von Willy Theobald  Hamburg
Um es vorwegzunehmen: Loriot war ein Ausnahmekünstler, ein genialer Kopf- und Baucharbeiter, dessen Humor quer durch alle Gesellschaftsschichten ging. Vielleicht war er sogar der wichtigste Humorist, den Deutschland bislang hervorgebracht hat - und der uns geflügelte Worte schenkte wie "Die Ente bleibt draußen?", "Im Herbst eröffnet der Papst mit meiner Tochter eine Herrenbutike in Wuppertal" oder "Früher war mehr Lametta". Am Montag verstarb Loriot alias Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow 87-jährig in seinem Haus am Starnberger See.
Unvergessen ist das Blitzen seiner Augen, wenn er aus dem Stegreif Sätze formulierte, für die andere wochenlang überlegen mussten. Ob auf dem roten Sofa mit seiner 2007 verstorbenen Sketchpartnerin Evelyn Hamann, als Stimme seines Cartoonhundes Wum oder in seinen Filmen: Loriot hat nicht nur ein Fernsehpublikum, sondern die ganze Nation begeistert. "Ödipussi" und "Pappa ante Portas" gehören noch 20 Jahre nach ihrer Entstehung zu den TV-Dauerbrennern, in Umfragen liegt der Bekanntheitsgrad des bekennenden Mops-Freundes bei 92 Prozent.
Zum Tod von Vicco von Bülow Loriot bleibt unsterblich
Mit Sketchen wie "Das Jodeldiplom" ("Du dödl di! Dö dudl dö ist zweites Futur"), "Kosakenzipfel" oder "Herren im Bad" bezauberte der 1923 in Brandenburg an der Havel geborene Offizierssohn auch schwerblütigere Charaktere und verfolgte dabei ein konkretes Ziel: Loriot wollte beweisen, dass die Deutschen "wie alle anderen Nationen auch Humor haben".
Die Grenzen dieses Humors reizte er schon mit seinen frühen Karikaturen aus, in denen Hunde Menschen als Haustiere halten - unerhört, befand die Nachkriegsgesellschaft. In den 50er- und 60er-Jahren zeichnete Loriot Cartoons für Illustrierte wie "Stern" und "Quick". Auf die Laufbahn eines Karikaturisten, schrieb er, habe er sich gewissenhaft vorbereitet: "Durch das Erlernen alter Sprachen, die Teilnahme an einem Lehrgang für Panzertruppen sowie durch ein dreijähriges Studium an der Landeskunstschule Hamburg und die Ablegung einer Prüfung, die mich zum Führen eines Automobils berechtigt."

Teil 2: Absurditäten menschlichen Verhaltens

  • Aus der FTD vom 24.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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