Die Hipster, die heutzutage mit Angelruten an deutschen Seen und Flüssen stehen, hätte man sich vor ein paar Jahren noch gut in einer Skateboard-Halfpipe vorstellen können. Eigentlich passt ihre Erscheinung ja auch besser in einen Technoklub als an einen Teich. Immer in Bewegung und in modischer Kleidung geben sie dem Image des Anglers einen jugendlichen und sportlichen Anstrich: Ihre Technik heißt Spinnfischen, eine Angelvariante, bei der man den Köder immer wieder auswirft und dann langsam einholt. Die Köder aus Gummi oder Metall wirken auf den Fisch wie ein angeschlagener Artgenosse, der sich leicht vernaschen lässt.
Natürlich fangen Spinnfischer mehr Fische als konventionelle Angler - davon ist Fynn Krause jedenfalls überzeugt. "Wir sind ständig mit der Angel in Bewegung, das hat nicht nur mehr mit Sport zu tun, sondern lässt auch die Fische mehr beißen", sagt er.
Spinnfischen wird zum Trendsport
Mehr und mehr wird Spinnfischen zum Trendsport. An den Hamburger Hotspots wie der Hafencity oder der Süderelbe sind die Angler in Bewegung: Weit auswerfen und den Köder wieder einholen. Kraft, Konzentration und Fingerspitzengefühl sind gleichermaßen gefordert. Ein Profi kann mit dem richtigen Gewicht seinen Köder bis zu 160 Meter weit auswerfen.
Ihre besondere Ausrüstung bekommen die jungen Spinnfischer in spezialisierten Angelshops wie K&HD Fishing in Hamburg. "Die Zeiten, in denen man den Angler allein und schweigend gesehen hat, sind einfach vorbei. Angler wollen heute Abwechslung", sagt Betreiber Ralph Hendes-Drewes. Einen Klappstuhl mit Bierdosenhalter sucht man in seinem Geschäft vergeblich, dafür findet man Ray-Ban-Sonnenbrillen mit Polarisationsfilter und Angelrollen mit handgearbeiteten Kugellagern jenseits der 500-Euro-Marke. Der hell und freundlich gestaltete Laden hat mehr von einer Nobelboutique als von einem muffigen Angelgeschäft.
Naturverbundenheit und Jagd locken
Das Konzept funktioniert. "Ich merke immer wieder, dass auch die Frauen der Angler zu uns kommen und sich hier gern aufhalten", sagt Hendes-Drewes. "Das setzt sich natürlich auch in den Freundeskreisen fort. Plötzlich ist es schick, dass der Mann angelt." Immer wieder kämen auch Leute, die noch nie etwas mit Angeln im Sinn hatten, sich aber von seinem Laden angesprochen fühlten. Statt des handgeschmiedeten Golfschlägers wird die Karbonrute von Shimano zum Statussymbol.
Von Geschäften wie K&HD Fishing gibt es weltweit vielleicht eine Handvoll - aber Spinnfischer machen auch noch lang nicht den Löwenanteil in der Angelszene aus. Die Zahl der ausgestellten Bundesfischereischeine liegt seit Langem unverändert bei rund 1,5 Millionen. Dazu kommen noch einmal gut zwei Millionen Angler, die entweder schwarzangeln oder ihr Hobby an privaten Seen oder im Urlaub ausüben. Eine neue Anglergeneration muss erst nachwachsen - Jungs, die von ihren Vätern oder Opas mit ans Wasser genommen werden und sich so mit dem Angelvirus infizieren.
Nun ist es natürlich nicht leicht, die Playstation-Generation für etwas zu begeistern, bei dem womöglich stundenlang nichts passiert und man auch noch still sitzen muss. Doch Naturverbundenheit und etwas Männliches wie die Jagd kommen auch heute noch gut an.