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Merken   Drucken   07.01.2012, 13:00 Schriftgröße: AAA

Nichts als die Wahrheit: Anrufbeantworter

Ich habe gehört, dass Christian Wulff große Probleme hat wegen einer Nachricht, die er auf einem Anrufbeantworter hinterlassen hat. Er hat sich inzwischen auch dafür entschuldigt. von Tillmann Prüfer 
Aber das ist eben das Schlimme an Anrufbeantwortern: Sie nehmen stoisch alles hin, was man ihnen sagt, aber sie verzeihen nichts. Ich mag es selbst nicht, auf Anrufbeantworter zu sprechen, aber ich habe keine Wahl, denn niemand hebt heute mehr einfach ab. Der Normalfall ist, dass man "weggedrückt" und von der Mailbox in Empfang genommen wird. Ich mache das selbst häufig.
Tillmann Prüfer   Tillmann Prüfer
Oft ist es aber auch so, dass jemand nur zu spät sein Handy aus der Jackentasche herausgefummelt hat und mich sofort zurückrufen möchte. Das geht aber nicht, weil ich mich schon mit seiner Mailbox unterhalte. Und so wird er wiederum nicht von mir, sondern von meinem Anrufbeantworter begrüßt. Wenn ich damit fertig bin, mein Anliegen detailliert vorzutragen und um Rückruf zu bitten, sehe ich auf dem Display, dass man bereits versucht hat, mich zu erreichen, bemühe mich um einen schnellen Rückruf, werde jedoch abermals von der Mailbox angesprochen, weil mein ersehnter Gesprächspartner dabei ist, meine Nachricht abzuhören.
So kann es lang weitergehen: Zwei Menschen versuchen, einander zu erreichen, müssen aber immer Nachrichten hinterlassen. Was nicht bedeuten soll, dass dies die schlechteren Gespräche wären. Ich finde, mein Anrufbeantworter ist ein hervorragender Gesprächspartner. Er ist immer gut gelaunt und hat viel Zeit, außerdem widerspricht er nicht. Am besten wäre vielleicht, es würden sich nur noch unsere Mailboxen gegenseitig anrufen und wir hätten unsere Ruhe. Das findet der Bundespräsident mittlerweile bestimmt auch.
  • FTD.de, 07.01.2012
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