FTD Und der Strand?
Keene John Obey Beach ist vergleichbar mit Tobago oder Sansibar, nur eben ohne Touristen. Hier leben etwa 50 Fischer aus dem Nachbardorf, John Obey Village. Das liegt einen Kilometer weiter im Landesinneren, und da wohnen noch mal 300 Leute.
FTD John Obey Beach, John Obey Village - was hat es denn mit diesem Namen auf sich? Wer ist dieser Obey?
Keene Die Einheimischen erzählen, das sei ein britischer Sklavenhändler aus New York gewesen, der 1920 hier strandete, es aber nicht bis Freetown schaffte - es gab nämlich keine Straße. Er hat dann von der Fischerei gelebt, eine Einheimische geheiratet und mit ihr vier Kinder gezeugt.
FTD Gut, jetzt kommen also seit Anfang Oktober die ersten Stammesmitglieder aus Europa und den USA. Die zahlen Geld dafür, dass sie ein paar Wochen an Ihrem Strand bleiben dürfen. Was können diese Leute erwarten?
Keene Eine sehr einfache Infrastruktur, die ich mit einigen Leuten hier aufgebaut habe - Komposttoiletten, Eimerduschen, eine Strandküche. Die Solarkollektoren stehen auch schon, sind aber noch nicht angeschlossen. Bis dahin nutzen wir wie die Einheimischen einen Generator, zu dem man etwa eine Meile laufen muss.
FTDDas klingt ehrlich gesagt nicht besonders erholsam. Müssen Ihre Stammesmitglieder auch arbeiten?
Keene In den nächsten drei Monaten zelten wir am Strand und bauen Wohnhütten aus Säcken, Stacheldraht und Erde. Wir leben eng mit den Einheimischen zusammen, arbeiten gemeinsam, tauschen uns aus und lernen voneinander. Wir bereiten gemeinsam Essen zu und bauen Gemüse an. Wer will, kann auch mit den Leuten hier fischen gehen. Das soll eine Schule des Lebens sein - am Strand!