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Merken   Drucken   17.07.2011, 17:32 Schriftgröße: AAA

Out of Office: Bankster's Paradise

Die Mittagspause ist gerettet: An der Wall Street eröffnet eine pompöse Drogerie. Sie weiß, was Broker brauchen und lieben - Sushi, Geld und Börsenkurse.
© Bild: 2011 FTD/ Thorsten Schröder
Die Mittagspause ist gerettet: An der Wall Street eröffnet eine pompöse Drogerie. Sie weiß, was Broker brauchen und lieben - Sushi, Geld und Börsenkurse. von Thorsten Schröder, New York
Eine seltene Spezies lässt sich hier gerade beobachten, mitten im pulsierenden Finanzleben Manhattans: die lange und ruhige Bankerschlange. Sie windet sich durch die hellen Gänge der riesigen neuen Drogerie in der Wall Street, die an diesem Tag Eröffnung feiert. Die Schlange besteht aus 30, 40, vielleicht 50 Managern, Brokern, Bankangestellten in dunklen Tuchhosen und weißen Hemden.
Bei vielen flitzen natürlich die Finger auf den Smartphones herum. Ansonsten aber schauen sie sich nur neugierig um und warten geduldig vor einem Tischchen, an dem US-Baseballlegende Darryl Strawberry Autogramme schreibt. Banker, die lange ruhig ausharren, wo doch Sekunden Geld sind und Stress zum Image gehört - außergewöhnlich.
Duane Read eröffnet eine Drogerie an der Wall Street: Mit ...   Duane Read eröffnet eine Drogerie an der Wall Street: Mit Schuputzservice und einem Millionengewinnspiel für die verwöhnten Investmentbanker
Wattestäbchen neben Haushaltshandschuhen in Plastikregalen auf Linoleumböden - das Durchschnittsantlitz einer Drogerie hätte sicher kaum einen Banker von seinen Kursen weggelockt. Doch hier pompt es gewaltig: Im Trump Building, dem protzigen Turm des selbst ernannten Baukönigs, ist eine neue Filiale der Kette Duane Reade eingezogen. Es handelt sich um eine Art Flagship-Store, mit gewölbten Decken, Marmorfußböden und güldenen Rolltreppen, der auf über 2000 Quadratmetern alles bietet, was der Finanzdistrikt begehrt.
New Yorks Broker betrachten die Wartezeit heute dann auch als Investition in die Zukunft. Lilian Martinez zum Beispiel, die nur wenige Hundert Meter entfernt in der Citigroup-Filiale arbeitet. Man müsse sich ja schließlich ein genaues Bild machen - wenn man plant, die kurzen Mittagspausen in Zukunft hier zu verbringen. "Wie praktisch, dass ich hier alles an einem Ort habe", sagt sie. "Und wie wundervoll."
Man müsse der prestigeträchtigen Adresse ja gerecht werden, sagt Firmenchef Joe Magnacca. Schließlich war der Vormieter niemand Geringeres als die Bank of Manhattan. Und schließlich musste das Unternehmen einen gebührenden Nachfolger für den Superstore finden, der sich bis 2001 im World Trade Center befand.
Tatsächlich finden Trader und Banker in der Wall-Street-Drogerie so ziemlich alles, was sie zum Leben brauchen: Wer sich ob der fallenden Kurse am Morgen schon die Haare gerauft hat, kann sie sich mittags im Friseursalon unter Kronleuchtern wieder zurechtlegen lassen. Auf einem Thron aus Holz werden Lederschuhe blank geschmirgelt. Es gibt einen hausinternen Maniküresalon, ein Hautanalysezentrum und eine Apotheke.
Was dem Handwerker sein Mettbrötchen, ist dem Banker sein Sushiröllchen. An der Bar bereiten deshalb japanische Sushimeister frische Fischrollen zu. Ein paar Meter weiter gibt es Smoothies und 130 weitere Möglichkeiten, das Mittagessen runterzuspülen. Mit dem Smartphone am Ohr lassen sich von hier aus sogar die Geschäfte des Tages bestreiten: Die Kurse der New York Stock Exchange laufen in großen orangenen Lettern über die Wand hinter der Sushibar.
Drogerien seien in der Regel langweilig und alt und hätten sich seit Jahrzehnten kaum verändert, gibt Firmenchef Magnacca zu. Aber: "Diese Filiale wird alles ändern." Für ihn ist der Finanzdistrikt ein Testmarkt, und die Banker sind die Versuchspersonen. "An diesem Laden werden wir alles ausprobieren, was wir irgendwann vielleicht auch in den anderen Filialen umsetzen wollen."
Eines funktioniert sicher überall: Geld verschenken. Eine Million Dollar betrug letzte Woche der Jackpot des Eröffnungsgewinnspiels. Akzeptabel als Bonus für ein bisschen in der Bankerschlange-Stehen.
  • Aus der FTD vom 18.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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