Auf den Facebook-Seiten dänischer Politiker tauchen Bilder von Drogendeals auf. Die haben die Fotos natürlich nicht selbst hochgeladen. Sondern wurden Opfer einer pfiffigen Kampagne. von Clemens Bomsdorf und Selina Marx, Kopenhagen
Lars Kragh Andersen hat es geschafft: Binnen kürzester Zeit ist er zum bekanntesten Haschischdealer des dänischen Königreichs geworden. Und das will durchaus etwas heißen, stehen in Dänemark doch in manchen Stadtvierteln an jeder Ecke die Händler rum und warten auf Kundschaft. Aber im Gegensatz zu denen sucht Andersen gezielt die Öffentlichkeit, auf Facebook, dort prahlt er mit seinem ganz besonderen Kundenstamm: die politische Elite Dänemarks. Und er veröffentlicht dort auch gleich Beweisfotos, Bilder, die ihn beim Dealen mit bekannten Politikern des Landes zeigen. Die Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt und ihr Vorgänger Lars Lökke Rasmussen, Außenminister Villy Sövndal und der Parlamentarier Tom Behnke - alle kaufen sie bei Andersen Stoff. So jedenfalls suggeriert es Andersen.
Tatsächlich sind die Bilder nur Andersens neueste Idee in seinem Kampf für die Legalisierung von Haschisch, die sich geschickt der Fallstricke der Facebook-Einstellungen bedient, um im Land für Furore zu sorgen. Andersen war früher einmal Polizist, kündigte aber seine Stellung, nachdem er auf der Website www.180grader.dk die restriktive Drogenpolitik seines Landes kritisiert hatte. "Ich persönlich bin gegen Drogen, aber ich glaube, dass jeder selbst entscheiden dürfen sollte, was er mit seinem Körper machen möchte", sagte er dänischen Medien. Illegalität habe nur Kriminalität und Drogentote zur Folge.
Um auf seine Position aufmerksam zu machen, muss nun eben die Polit-Elite Dänemarks herhalten. Auf den Fotos, die Andersen angeblich beim Dealen mit den Parlamentariern zeigen, sind tatsächlich nur Unbekannte zu sehen, die ihm den Stoff abkaufen. Andersen aber verschlagwortet diese Personen über Facebooks Tagging-Funktion mit echten Politikern. Was zur Folge hat, dass diese Bilder sofort auch auf den Facebook-Seiten der entsprechenden Politiker erscheinen - und dort sind Fotos von Drogendealern ansonsten eher unüblich.
Bei Facebook ist dieses vollautomatische Einlaufen von Bildern, in denen man getaggt wurde, die Grundeinstellung. Wer das verhindern will, muss die Option erst einmal mühsam im Einstellungswirrwarr der Website suchen, finden und abschalten. Und vor allem wissen, dass es überhaupt ein automatisches Einlaufen gibt. Etliche Politiker hat Andersen jedenfalls mit der Aktion überrascht - und wird entsprechend von seinen Anhängern gefeiert: "Du bist mein Held", "Du hast meinen absoluten Respekt" und ähnliches schreiben sie ihm auf seine Facebook-Seite.
Dabei hätten die Fotos auch ohne getaggte Politiker schon für viel Aufmerksamkeit gesorgt: Denn wer verübt schon eine Straftat, fotografiert sich dabei und macht dieses Beweisfoto der Öffentlichkeit und damit auch der Polizei auf der größten Pinnwand der Welt zugänglich?
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