Während Morice im vergangenen Jahr an seinem härtesten Marathon arbeitete, hatte die Universität ihm zu Ehren das Kostüm in einer Vitrine ausgestellt. "Doch für die letzten Reime vor Publikum wollte ich den Anzug wieder überstreifen und den Menschen noch einmal Dr. Alphabet in Aktion bieten", sagt Morice. "Das war ich den Leuten einfach schuldig."
Das 10.000-Seiten-Gedicht handelt vor allem von ihm selbst, es ist eine fiktive Reise durch sein buntes Leben. Eine Reise, auf der er auch berühmte Kollegen trifft und mit ihnen ins Plaudern kommt, zum Beispiel auf Seite 19 den Meister persönlich: Johann Wolfgang von Goethe.
"Nach dem Schreiben war ich oft erschöpft, aber meine Freundin und ein kühles Bier haben mich wieder auf Touren gebracht", sagt Morice. "Glücklicherweise habe ich mit Schreibblockaden kein Problem, mir muss man nur einen Stift in die Hand geben, und dann geht es los." Damit verdient er übrigens auch sein Geld: Morice lehrt Kindern und Erwachsenen in Seminaren das kreative Schreiben.
Die Originalfassung des Monstergedichts lagert inzwischen in der Unibibliothek. Wer Morices Werk ins heimische Regal hieven will, kann das zwar tun. Er muss dafür aber stolze 5000 Dollar hinlegen - und bekommt dafür trotzdem nur ein unvollständiges Werk. Denn inzwischen hat Morice aufgestockt. "Ich habe, nachdem das Buch gebunden wurde, nachgezählt. Es waren 830.000 Wörter. Das war mir zu wenig." Daheim am Schreibtisch hat Morice weitergeschrieben, inzwischen sind es über eine Million Wörter. "Doppelt so lang wie Tolstois ‚Krieg und Frieden'", so Morice stolz. Dr. Alphabet hat er dabei allerdings im Schrank gelassen. Den will er erst wieder rausholen, wenn ein noch längeres Gedicht in Planung ist.