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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   21.10.2008, 18:38 Schriftgröße: AAA

Out of Office: Die Abrechnung  

Kaum einer hat von der Krise so sehr profitiert wie der Hedge-Fonds-Manager Andrew Lahde. Nun knöpft er sich die Branche vor, witzelt über die ganzen "Idioten" und dankt "dummen Kunden". FTD.de dokumentiert seinen Brief.
Sehr geehrter Anleger,
heute schreibe ich nicht, um zu prahlen. Das wäre völlig unangemessen, da so viele leiden. Ich will auch nicht weitere Vorhersagen abgeben. Die meisten meiner früheren Prognosen sind eingetroffen oder werden gerade Realität. Ich schreibe vielmehr, um mich zu verabschieden.
Im "Wall Street Journal" wurde jüngst ein Hedge-Fonds-Manager, der gerade seinen 300 Mio. $ schweren Fonds auflöst, mit den Worten zitiert: "Was ich über das Hedge-Fonds-Geschäft gelernt habe? Dass ich es hasse." Das kann ich so unterschreiben.
Ich habe das Spiel wegen des Geldes mitgemacht. Die Low-Hanging Fruits - sprich: die Idioten, deren Eltern für Yale und den Harvard-MBA blechen - warteten nur darauf, gepflückt zu werden. Diese Leute waren (häufig) wirklich die Ausbildung nicht wert, die sie (angeblich) erhalten haben, aber sie stiegen trotzdem in Unternehmen wie AIG, Bear Stearns und Lehman Brothers sowie in alle Ebenen unserer Regierung auf. Dieses die Aristokratie stützende Verhalten machte es mir letztlich nur einfacher, Leute zu finden, die dumm genug waren, meine Verluste auszugleichen. Gott segne Amerika.
Ich habe viel zu vielen Menschen für meinen Erfolg zu danken, aber ich will auch nicht wie ein Hollywoodschauspieler bei einer Dankesrede klingen. Das Geld war mir Lohn genug. Außerdem wissen die zahllosen Leute, denen Dank gebührt, dass sie gemeint sind.
Ich werde kein Geld mehr für andere Leute oder Unternehmen verwalten. Ich habe genug damit zu tun, mich um mein eigenes Vermögen zu kümmern. Einige Leute meinen, meinen Nettowert annähernd ausgerechnet zu haben, und wundern sich vielleicht, dass ich mit einer so verhältnismäßig kleinen Kriegskasse aussteige. Aber das ist in Ordnung, ich bin zufrieden mit dem, was ich bekommen habe.
Sollen doch andere ein neun-, zehn- oder elfstelliges Vermögen anhäufen. Aber bis dahin ist ihr Leben nichts wert. Ein Termin nach dem anderen, immer drei Monate im Voraus ausgebucht, im Januar zwei Wochen Urlaub, wo sie die ganze Zeit auf ihren Blackberry starren. Und wozu? In 50 Jahren sind sie doch ohnehin alle vergessen. Niemand wird sich an Steve Ballmer , Steven Cohen und Larry Ellison erinnern. Dieses ganze Getue, ein Vermächtnis zu hinterlassen, verstehe ich nicht. Fast jeder wird vergessen, also versucht doch gar nicht erst, euch unsterblich zu machen. Werft den Blackberry weg, und genießt das Leben!
  • Aus der FTD vom 22.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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