26.11.2009, 19:34
Out of Office: Die Anti-Gotteskrieger
Ungläubig zu sein ist in den USA fast so schlimm wie Satan zu huldigen. In New York aber wollen Atheisten endlich offen zu ihrem Nichtglauben stehen dürfen. Zu Besuch bei einer Minderheit, die für ihre Rechte kämpft.
von Felix Wadewitz, New York City
Christen, Juden, Muslime und Buddhisten haben es gut. Sie treffen sich sonntags in der Kirche, freitags in der Synagoge, fünfmal täglich in der Moschee oder wann immer sie wollen im Tempel. Das gibt der Woche eine Struktur, man kommt mal raus und trifft im besten Fall nette Leute. Was aber machen Atheisten? In New York gründen sie eine eigene Organisation und gehen saufen.
"Drinking with Atheists", kurz DWA, nennt sich die Veranstaltung, bei der sich Nichtgläubige zum regelmäßigen Umtrunk treffen. Veranstalter ist der Verband BigAppleCor, der sich selbst als New Yorker "Koalition der Vernunft" sieht. Der aktuelle Slogan: "Good without God".
Ohne Gott geht's auch: Die New Yorker Atheisten zeigen mit Postern, dass sie doch normal sind
Als sich die Gruppe an einem Freitag im November versammelt, hat sich die Dunkelheit bereits über die Stadt gelegt. Treffpunkt ist eine Privatwohnung in der Upper Westside von Manhattan. Etwa 20 Menschen aus der ganzen Stadt sind gekommen, Junge und Alte, Schwarze und Weiße, Unternehmensberater und Arbeitslose. Gemeinsam haben sie nur, dass sie nicht an einen Gott glauben.
Über eine für das kleine Wohnzimmer viel zu große Leinwand flimmert der linksliberale TV-Kanal MSNBC - das Gegenstück zum rechtslastigen, gottesfürchtigen Sender Fox News von
Rupert Murdoch . Der Kühlschrank ist gut gefüllt mit Bass Beer, und auch Becks ist da. Rot- und Weißwein stehen bereit, ebenso jede Menge Hochprozentiges zum Mischen.
Auf der kleinen Terrasse hinter dem Haus steht Gastgeber Rich Sander vor einem Grill und hantiert mit Würstchen. "Die Leute gehen wegen der sozialen Kontakte in die Kirche, das können wir auch", sagt er. Sander gehört zum harten Kern der Organisation, die in New York immer wieder für Aufregung sorgt. Gerade läuft eine Plakataktion in der U-Bahn. "Eine Million New Yorker sind ohne Gott glücklich", steht auf den Postern.
Im Sommer fuhren Busse mit ähnlichen Botschaften durch Manhattan. Das Ziel dieser Kampagnen: Atheisten und Agnostiker sollen sich endlich trauen, zu ihrem Nichtglauben zu stehen. Denn das sei in den USA selbst in einer Stadt wie New York keine Kleinigkeit, so die Organisation. Immerhin: Die Buswerbeaktion hat die Zahl ihrer Mitglieder um 25 auf 300 erhöht. Der Verband sieht das schon als Erfolg.
Teil 2: Schwulenbewegung als Vorbild
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Aus der FTD vom 27.11.2009
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