So forscht Nichols seit 1982 an Substanzen, die der Droge Ecstasy ähneln - die damals in der Psychotherapie verwendet wurde. Nichols entdeckt im Tierversuch, dass ein ähnlicher Wirkstoff namens MTA gegen Depressionen helfen könnte, und schreibt bis 1997 mehrere Artikel darüber. Dass Drogendesigner seine Arbeiten lesen und MTA nachbauen, erfährt er erst 2002. Da sind schon sechs Menschen an Flatliners, wie die Pillen in der Szene heißen, gestorben. "Ich war geschockt, danach fühlte ich mich lange depressiv und leer", schreibt der Chemiker jetzt in der Fachzeitschrift "Nature". Dass die Substanz ausdrücklich nur an Tieren getestet worden war, dass man bei genauer Lektüre die Gefahr hätte erkennen können, sei ihm kein Trost: "Ich hatte Informationen veröffentlicht, die letztendlich zum Tod von Menschen geführt haben."
Inzwischen lebe er in ständiger Angst davor, dass Millionen Menschen einer neuen, scheinbar harmlosen Droge zum Opfer fallen. Verzichten will er auf Veröffentlichungen aber nicht: "Man weiß vorher nie, an welcher Stelle Forschungsergebnisse nützlich sein können." Nur einmal sei ihm eine Substanz so gefährlich erschienen, dass er sie begraben habe.
Inzwischen bitten regelmäßig Behörden um seine Hilfe beim Nachweis neuer Drogen. 31 wurden in Europa 2010 entdeckt - 2009 waren es 24. Wie viele Kandidaten stecken insgesamt in der Literatur? "Ich schätze, etwa 100."