Merken
Drucken
05.12.2011, 18:13
Schriftgröße: AAA
Out of Office:
Die zwielichtige Energierevolution des Herrn Rossi
Ein italienischer Unternehmer hat ein Gerät entwickelt, das alle Energieprobleme der Menschheit lösen könnte. Wenn es funktioniert. Was kaum einer glaubt. Kaufen kann man es trotzdem.
von Simon Book, Hamburg
Vielleicht wird Mario Monti ihm eines Tages noch dankbar sein. Dafür, dass Andrea Rossi das Schuldenproblem der Italiener gelöst hat. Ohne Eurobonds, ohne IWF. Einfach mit einer Erfindung. Denn sein Landsmann Rossi verspricht nichts Geringeres als die Lösung der Energie- und Klimaprobleme der Menschheit. Da sollte also für Italien gut was bei rumkommen in Sachen Steuereinnahmen.
Andrea Rossi sagt nämlich, er kann Energie aus Nickel und Wasserstoff herstellen. Das Verfahren, das er benutzt, nennt sich kalte Fusion, und damit fangen die Probleme an. Denn kalte Fusion, das Verschmelzen von Atomkernen bei sehr niedrigen Temperaturen, ist zwar sehr praktisch: viel Energie, wenig Aufwand. Aber nach den Regeln der Physik eigentlich nicht möglich. Bislang jedenfalls sind alle Versuche von namhaften Wissenschaftlern und Universitäten gescheitert. Und jetzt ist da dieser Rossi, ein Biodieselunternehmer, der von sich behauptet, die eierlegende Wollmilchsau der Physik gefunden zu haben.
Energiegewinnung aus Nickel und Wasserstoff soll für eine Energierevolution sorgen
Zusammen mit seinem Mentor, dem emeritierten Physikprofessor Sergio Focardi von der Universität Bologna, hat er den "Energiekatalysator" entwickelt, den E-Cat. Ein Reaktor, der bei einer Kernfusion große Menge Energie liefern soll, aber kaum Hitze erzeugt.
Schon im Januar führten die beiden an der Uni Bologna einen Prototyp ihrer Wundermaschine vor. Damals versprachen sie: Bis Oktober bauen wir ein marktreifes Modell.
Und tatsächlich lieferten sie pünktlich: Ein Megawatt soll ihr Reaktor erzeugen - und so genug Energie für annähernd 1000 Einfamilienhäuser erzeugen. "Denken sie an die Hunderte Millionen Dollar, die in der Kernfusionsforschung ausgegeben worden sind", sagte Rossi bei der Vorstellung. "Ich denke, das ist ein Durchbruch."
Teil 2: Durchbruch oder Betrugsmanöver
-
Aus der FTD vom 06.12.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden