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  01.06.2009, 18:44    

Out of Office: Dollar in neuem Design

Ein New Yorker Künstler will den Dollar neu gestalten - nicht nur aus ästhetischen Gründen. Die neuen Banknoten sollen das Verhältnis der Menschen zu ihrem Land ändern und die USA aus der Krise führen.

von Ina Linden
Die Finanzkrise hat nicht nur gewissenlose Banker und unfähige Aufsichtsinstanzen in Verruf gebracht, sondern auch das Geld selbst. Die Menschen verhalten sich zum Geld plötzlich wie zu einem zweifelhaften Produkt, das sie zwar gern besitzen würden - aber sie haben gelernt, dass damit allerlei Scherereien verbunden sind, weil es nicht zuverlässig funktioniert. Ein Unternehmen würde ein solches Produkt zumindest optisch überarbeiten und neu designen lassen, wenn die funktionalen Tücken schon nicht zu beheben sind. Ein New Yorker Werbedesigner will nun dasselbe mit dem US-Dollar versuchen.
Richard Smith hat dazu das Dollar Redesign Project gestartet, das im Internet neu gestaltete Banknoten sammelt. "Ich habe mich gefragt, was wir verändern können, um die Wirtschaft wieder aufzubauen", sagt Smith, der im Hauptberuf Kampagnen für John Galliano oder das Modemagazin "Vogue" gestaltet. "Der Dollar braucht ein neues Image, ein Revival." Ein klassisches Rebranding eben, bei dem bis zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli jeder Besucher seine Ideen auf die Website www.dollarredesign.com hochladen kann. 80 Vorschläge hat Smith schon gesammelt, obwohl der Gewinner lediglich ein T-Shirt als Preis bekommt.
Screenshot der Website dollarredesign.com   Screenshot der Website dollarredesign.com
Smith ist nicht der Einzige, der dem Dollar an den steifen Kragen will. Auch die Purple Moon Gallery aus Charleston hat einen Preis für die besten neuen Entwürfe ausgelobt. Unter dem Motto "Hard Times: A New Dollar for America" suchen die Galeristen Künstler, die den Dollar durch ihr Werk aufwerten oder umdeuten. Der Gewinner darf seine Werke in einer eigenen Ausstellung zeigen.
Ein umfassendes Redesign ist für Smith auch deshalb überfällig, weil der Dollar sein Aussehen seit den 30er-Jahren kaum verändert habe. Streng blickt Abraham Lincoln aus der Mitte der 5-$-Note, Amerikas ersten Präsidenten George Washington umranken auf dem 1-$-Schein Lorbeerblätter. Von 2003 bis 2008 gab es kleine kosmetische Korrekturen am Greenback: etwas Grün für die Zahlen, ein Hauch von Pfirsich auf die Wangen von Altpräsident Andrew Jackson, ein Wasserzeichen und Sicherheitsfäden. Für Smith gehen diese Veränderungen nicht weit genug. "Der aktuelle Dollar hat ein klassisches 08/15-Design" sagt er. "Als Marke sollte Amerika aber nach vorn blicken." Seine eigenen Neuinterpretation der Banknoten sind abstrakt gehalten. Ihre farbigen Gittergebilde erinnern an sehr dünne Stoffbahnen, die von einem Windstoß durcheinandergewirbelt werden. Andere Dollar-Designer sind in ihren Vorschlägen konkreter und sparen nicht mit Kapitalismuskritik. Die Logos von Burger King und Starbucks, die Präsident Abraham Lincoln auf einem Entwurf umschwirren, scheinen bereits mächtiger zu sein als Staat und Verfassung. Ein weiterer Künstler vermeidet jegliche pathetische Aufladung und versachlicht den Dollar zum einfachen Abrisszettel mit Barcode - ein Entwurf, der zeitgemäß auch an Nummernzettel erinnert, die man im Wartesaal vom Arbeitsamt ziehen muss.
Smith sammelt die Dollar-Designs , um herauszufinden, was die Amerikaner über ihr Land denken. "Viele vermissen traditionelle Werte oder wollen, dass unser Land anders repräsentiert wird", sagt der Designer. Und bastelt im Kopf schon an einer groß angelegten Imagekampagne für seine Währung und sein Land. Einen Brief an Barack Obama  hat Smith auch geschrieben und ihn um seine Unterstützung gebeten: "Die Marke USA bröckelt", heißt es darin. Ein Dollar-Neudesign sei der erste Schritt, die USA wiederzubeleben. Sollte der Präsident Smiths Projektseite tatsächlich besuchen, dürfte er zumindest geschmeichelt sein. Eine der neu gestalteten Dollar-Noten zeigt Obama selbst - zusammen mit Ehefrau Michelle und den Töchtern Malia und Sasha.
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