Das Auktionshaus RM Auctions wünscht sich ein Comeback des Auto-Altstars unter neuem Management. "Dieses einzigartige Artefakt der Fahrzeug- und Kulturgeschichte verdient ein größeres Publikum", heißt es im Prospekt. Bis zu 475.000 Dollar könnte der Wagen einbringen, schätzt der Veranstalter. Immerhin war der Plaste-Pontiac bereits ein Vermögen wert, als ihn die Besucher der Weltausstellung vor 72 Jahren bestaunten: Rund 25.000 Dollar soll seine Konstruktion gekostet haben. Zum Vergleich: Einen normalen Pontiac Deluxe Six mit Metallkarosserie bekam man damals für 814 Dollar.
Heute bemisst sich der Wert des Wagens vor allem an ideellen Maßstäben. Kunststoffkarosserien sind - wenn auch blickdicht - technisch längst nichts Ungewöhnliches mehr. Trotzdem bietet das gut erhaltene Geisterauto durchaus handfeste Vorteile: Welcher Zöllner winkt schon einen Wagen mit durchsichtigem Kofferraum zur Kontrolle aus dem Verkehr?
Oberflächlich betrachtet hat der Pontiac übrigens deutsche Wurzeln: Der Chemiekonzern Rohm & Haas Co. war während des Ersten Weltkriegs aus einer US-Niederlassung des deutschen Unternehmens Röhm & Haas hervorgegangen. Gemeinsam mit
General Motors formte die Firma den damals revolutionären Werkstoff Plexiglas zur Hülle des Autos. 1940 bauten die Unternehmen zusammen ein zweites durchsichtiges Fahrzeug: Der Pontiac Torpedo Eight ging zusammen mit dem Deluxe Six auf US-Tour, hat jedoch nicht bis heute überlebt.
Und auch beim erhaltenen Modell raten die Auktionatoren von ausgiebigen Spritztouren ab: Herumfahren sei schädlich für den Plexiglas-Pontiac. Wenn der zu heiß läuft, könnte er nämlich bald endgültig Geschichte sein. "Laut unseren Experten beginnt bei diesem Material eine leichte Erweichung bei über 100 Grad Celsius. Bei Temperaturen zwischen 150 und 170 Grad kann das Acrylglas verformt werden", sagt Alexandra Boy, Pressesprecherin bei Evonik, dem aktuellen Inhaber der Marke Plexiglas in Europa.
Deswegen ist der Oldtimer vermutlich auch zuvorkommende Behandlung gewohnt: Er wird chauffiert, statt seine Besitzer zu transportieren, auf dem Kilometerzähler stehen nur 86 Meilen. Die US-Tour nach dem Ende der Weltausstellung dürfte der Pontiac größtenteils auf einem Anhänger verbracht haben. Wer also mit dem Gedanken spielt, Ende Juli mitzubieten, sollte das nötige Kleingeld für einen zusätzlichen Kleintransporter haben. Das letzte Geisterauto ist und bleibt eine Diva.