Wer so gut von den Toten lebt, kümmert sich natürlich weniger um neues musikalisches Leben: Bis zu 80 Prozent der Neuerscheinungen werden von den kleineren Unternehmen der Musikbranche veröffentlicht. Während Innovationen also fast ausschließlich von unten kommen, kontrollieren die Branchenriesen Universal, Sony, EMI und Wea fast 70 Prozent des Marktes.
Damit schaufeln die Major Labels fleißig am eigenen Grab: Sobald Musiker nennenswerte Umsätze machen, werden sie mit viel Geld von den Großen der Branche abgeworben. Danach steigt der Druck auf die Künstler ins Unermessliche: Im Vordergrund steht nicht mehr die Musik, sondern der Umsatz. "Solche Übernahmen müssen verboten werden", fordert Helen Smith, Geschäftsführerin von Impala, dem Verband der kleinen Plattenfirmen in Europa.
Gute Vorsätze hat Bon Iver. Das Singer-Songwriter-Projekt um den Sänger, Gitarristen und Organisten Justin Vernon erhielt einen Grammy für das beste "Alternative Album". Bislang will der Musiker, der seine erste LP in einer Jagdhütte aufgenommen hatte, noch bei seinem Kleinlabel bleiben.
Doch nur wenige Bands meisterten die Symbiose zwischen Kommerz und Untergrund so gut wie zum Beispiel die Foo Fighters - mit fünf Grammys nach Adele die zweiten Abräumer des Abends. Seit zehn Jahren wird das rustikal auftretende Quartett um Ex-Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl regelmäßig ausgezeichnet - obwohl die Jungs den Großteil ihrer musikalischen Basisarbeit in einer alten Garage verrichten und immer wieder mit politischen Aktionen wie gegen den damaligen US-Präsidenten Georg W. Bush auffielen.
Grohl bedankte sich in seiner Rede hauptsächlich bei seinem Produzenten und den Mitarbeitern im Tonstudio seiner Garage. Es sei nicht wichtig, "perfekt zu sein, sondern ein Instrument zu erlernen und Musik zu machen", sagte er und endete mit dem Satz: "Long live Rock'n'Roll." Immerhin wenigstens ein Bekenntnis zum Leben an diesem Abend.