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Merken   Drucken   02.11.2010, 19:15 Schriftgröße: AAA

Out of Office: Hier kaufen Sie Erfindungen ein

Zwei Österreicher betreiben Deutschlands ersten Erfinderladen. Sie verkaufen neue Produkte und helfen deren Entwicklern bei Vermarktung und Investorensuche. von Sarah Schierack, Hamburg
Der Kopf rattert und knattert bis zum Hitzeschlag, aber das Papier bleibt blütenweiß - gute Ideen kommen so gut wie nie am Schreibtisch. Dafür plötzlich während der Kaffeepause, im Fitnessstudio, beim Spazierengehen. Glücklich, wer da einen Memoblock oder ein Smartphone dabei hat, um die genialen Fünkchen vor dem Vergessen zu retten. Aber wohin mit den schlauen Gedanken, wenn sie beim Haare Schamponieren kommen?
Die Antwort: auf die Duschnotiz. Hinter dem Namen verbirgt sich ein wasserabweisender Notizblock mit Folienstift. Verkauft wird die Wunderwaffe gegen den Ideenschwund in Deutschlands erstem Erfinderladen. In dem Geschäft im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg vermarkten und verkaufen die Unternehmer Marijan Jordan und Gerhard Muthentaler neue Produkte von Tüftlern, die keine großen Kapitalgeber im Rücken haben.
Ideenan- und verkäufer: Marijan Jordan (l.) und Gerhard ...   Ideenan- und verkäufer: Marijan Jordan (l.) und Gerhard Muthentaler vom Erfinderladen
"Erfindungen sind die Grundlage unserer Wirtschaft", sagt Jordan - und hortet darum neben dem cleveren Notizhelferlein unzählige andere Innovationen in den Regalen seines Geschäfts. Da gibt es den Ganzkörperschlafsack mit Armen und Beinen, die schmerzlindernde Kirschkernweste oder die Antifaltenlichtmaske für Verwelkungsverweigerer. Besonders begehrt bei den Kunden sind die "Verstecke": vermeintliche Batterien, Feuerzeuge oder gar Schrauben, in denen sich kleine Kostbarkeiten verbergen lassen.
Das Geschäft soll ein Testmarkt für die oft teuer und in niedriger Stückzahl hergestellten Produkte sein. Verkauft sich eine Erfindung gut, dann kann der Urheber mit diesem Erfolg im Rücken sein Glück bei größeren Anbietern versuchen. Bleibt die Erfindung ein Ladenhüter, weiß er: Da muss noch etwas verbessert werden.
Die Geschäftsführer Jordan und Muthentaler begleiten und beraten die Tüftler vom ersten Vorschlag bis hin zum ersehnten Verkauf an einen Großabnehmer. "Die Erfinder kommen mit einem guten Grundprodukt zu uns, dem aber oft noch das gewisse Etwas fehlt", sagt Jordan. "Wir ziehen den Erfindungen mit unserer Marketingberatung dann sozusagen die Brautkleider an."
Der Preis für die Vermarktung ist verhandelbar. "Einige Anbieter stellen uns 50 ihrer Produkte kostenlos zur Verfügung, dafür beraten wir sie dann. Bei anderen kaufen wir die Erfindungen auf Kommission, und die Erfinder zahlen unsere Leistungen extra." Die beiden Österreicher sind seit 14 Jahren Erfindungsvermarkter. Einen dazugehörigen Laden zu eröffnen, war für sie ein logischer Schritt. "Wir sehen uns als Kämpfer für die Erfinderlandschaft und wollen den Produkten die Aufmerksamkeit verschaffen, die sie verdienen." Seit Kurzem ist der Berliner Laden deshalb nicht mehr nur Verkaufsfläche, sondern auch Ausstellung. In einem zweiten Raum haben die beiden das "Museum der zukünftigen Dinge" installiert.
Anstelle von historischen Überbleibseln zeigt sie Prototypen neuer Ideen. Der Durchschnittskunde kann sich die Produkte anschauen, aber nicht kaufen. "Die exponierten Objekte sind noch im Urstadium", so Jordan, "an denen muss oft noch gebastelt und verbessert werden."
Aber das überlassen Jordan und Muthentaler den Erfindern. Ihre Aufgabe ist es, potenzielle Investoren für die Grundidee hinter einem Prototyp zu begeistern und die Lizenz zu verkaufen. Bei der Vermarktung würden auch sie ab und an zu Erfindern, fügt Jordan hinzu. Jede Werbestrategie muss neu und produktgerecht ausgetüftelt werden. Befällt sie dabei einmal akute Erleuchtungsnot, ist die Duschnotiz zum Glück nicht weit.
  • Aus der FTD vom 03.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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