Knutschen hilft. Vielleicht. Zumindest ist der daraus gezogene Gewinn wertbeständiger als die meisten Dinge heutzutage. Flirtseiten und Partnervermittlungen im Internet machen darum derzeit beste Geschäfte - nicht trotz der Krise, sondern genau deswegen.
Die emotionale Rechnung ist simpel: Je stärker und belastender die Bedrohungen von außen, desto drängender ist der Wunsch, mit einem ausgefüllten Privatleben dagegenzuhalten. Oder, wie Stefanie es ausdrückt: "Ich wollte Privates einfach mal wichtiger als die Karriere nehmen." Die Marketing-Expertin hat sich im Januar bei einer Online-Partnervermittlung angemeldet.
Laut einer Umfrage der Partneragentur Parship suchen 36 Prozent der Singles in wirtschaftlich schwierigen Phasen intensiver als zuvor nach einem Partner. ,"Die alltäglichen Nachrichten von Insolvenzen und Massenentlassungen lassen uns verstärkt reflektieren, welche Werte im Leben wirklich wichtig und von Dauer sind", sagt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von der Online-Partnervermittlung Elitepartner. Nach eigenen Angaben verzeichnete das Unternehmen seit Beginn der Krise einen Mitgliederzuwachs von über 20 Prozent. Das Flirtportal Friendscout24 notierte seit Mitte letzten Jahres durchschnittlich 13.000 Neuanmeldungen statt der sonst üblichen 10.000 Registrierungen pro Tag.
Neben der Sehnsucht nach privater und emotionaler Sicherheit treibt vermutlich auch schnöder Sparzwang die Menschen zur vermehrter Online-Balz. Wenn am Budget für Restaurant- und Discobesuche geknapst wird, fallen diese klassischen Orte für die Partnersuche weg. Kostengünstiger lässt es sich im Internet flirten.
Während die Datingbranche den Boom auf unternehmerische Erfolge zurückführt, begründen Psychologen die gesteigerte Partnersuche mit hormonellen Veränderungen in Krisenzeiten. Sie sorgen dafür, dass die Flirter nicht nur auf das Eine aus sind: Stress erzeugt vermehrt das Hormon Cortisol, das den Testosteronspiegel sinken lässt.
Und die Krise führt zu weiteren Beeinträchtigungen: "Probleme mit dem Blutzuckerniveau, Einlagerung von Fett in das Gewebe, geschwächte Immunabwehr und Erschöpfung sind Begleiterscheinungen, die sich massiv auf Libido und die sexuelle Ausführung auswirken", sagt Fischbach. Längere Arbeitstage, Angst um den Arbeitsplatz oder sogar Jobverlust sind folglich echte Lustkiller. Das wiederum führe zu einem wahren Kuscheltrend, erläutert Sexualforscher Jakob Pastötter.