Die Zentrale von Goldman Sachs in New York
Der Fall hat in den USA für Aufregung gesorgt: Mit einem simplen, selbst geschriebenen Programm durchsuchte Moore das Internet nach unverschlüsselten Videokonferenzsystemen, die auf automatische Anrufannahme eingestellt sind. Nach weniger als zwei Stunden hatte er schon 5000 offene Systeme aufgespürt, in die er sich einfach einwählen konnte: in den USA, Großbritannien, Deutschland, Singapur und Hongkong. Renommierte Anwaltskanzleien, Pharmaunternehmen, Ölraffinerien, Energieversorger, Risikokapitalfirmen - "in jedem davon könnten stille Zuhörer sein".
Nur drei Prozent des Internets habe er durchsucht, sagt Moore. Auf das gesamte Internet hochgerechnet ergäben sich als mehr als 150.000 potenzielle Angriffspunkte. Während Firmen Milliarden in den Schutz ihrer EDV steckten, übersähen sie dieses Einfallstor, sagt Rapid7-Chef Mike Tuchen: "Vor 15 Jahren wurden Videokonferenzen über Hochgeschwindigkeits-Telefonleitungen abgewickelt. Heute geht alles über das Internet."
Telefon ist eben nicht gleich Telefon: Viele Firmen seien sich der Risiken der neuen Technik gar nicht bewusst. Oft würden die Anlagen falsch konfiguriert und akzeptierten jeden eingehenden Anruf. Oder die Sicherheitssysteme sind ab Werk ausgeschaltet - was im Betrieb keinem auffällt. "So, wie viele Unternehmen ihre Systeme konfigurieren, sind sie nicht für das Internet geeignet", bestätigt Thorsten Holz, Professor für Systemsicherheit an der Universität Bochum.