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Merken   Drucken   16.09.2011, 10:16 Schriftgröße: AAA

Out of Office: Mit Comics gegen Drogenbarone

Im Kampf gegen die Drogenkartelle setzt Mexikos Regierung auf eine neue Wunderwaffe: Zeichentrickfilme. Dumm nur, dass die so langweilig sind. von Matthias Oden, Hamburg
Die Nachrichten sind immer dieselben. Hier entdeckt die Polizei ein Massengrab, dort liegen nach einer Schießerei Tote auf den Straßen. Beinahe täglich gibt es Meldungen von Mexikos Drogenkrieg, allein die Opferzahlen variieren. Gräueltaten sind längst zu einem Hintergrundrauschen im Alltag der Bevölkerung geworden. In ihrem Sisyphoskampf gegen die Kartelle wählt die mexikanische Regierung nun eine neue Waffe: Zeichentrickfilme.
Mexikos Präsident Felipe Calderón   Mexikos Präsident Felipe Calderón
"10 Mitos de la lucha por la seguridad" heißt die Videokampagne, die Präsident Felipe Calderón seit diesem Sommer über seinen Blog und auf Youtube fährt. Zehn Mythen des Kampfes um die Sicherheit, mit denen die Regierung endlich aufräumen will. Etwa mit diesem: "Wer die Gewalt stoppen will, muss den Kriminellen die Hand reichen." Das dazugehörige Filmchen zeigt Polizisten, die einem Pick-up voller sinister dreinschauender Drogendealer zuwinken.
Unterstrichen wird das mit unheilvoll wabernder Elektromusik. Nach einem Schnitt präsentiert der Film dann die Lösung: Dieselben Polizisten legen denselben Schurken Handschellen an. "Wer die Gewalt stoppen will, muss diejenigen hinter Gitter bringen, die deinen Frieden und den deiner Familie stören", verkündet eine Comicblase. Keine Verhandlungen, keine Toleranz und schon gar keine Legalisierung von Drogen - das ist die Botschaft von "10 Mitos". Nicht subtil, dafür aber plump.
Diese etwas ungelenke Verpackung von Hardliner-Allgemeinplätzen in cartooneske Erbauungsvideos ist der späte Versuch, die Straßen zurückzuerobern, indem man die Menschen zum Umdenken bringt. "Der Kampf gegen das organisierte Verbrechen ist nicht nur einer der Sicherheitskräfte", sagt Alejandro Poire, der sicherheitspolitische Sprecher von Präsident Felipe Calderón. "Es gibt auch einen kulturellen Kampf, den wir nicht ignorieren dürfen."
Tatsächlich haben sich Mexikos Drogenbanden lange schon in die Kultur des Landes hineingearbeitet: Ihre Lieder, die Narcocorridos, dichten den blutigen Kartellalltag in Ohrwürmer um, die ganz Mittelamerika mitsingen kann. Der von Bandenmitgliedern bevorzugte Archtikturstil ist als "Narco Castillos" bekannt, und der mexikanische Volksheilige Jesús Malverde ist derart von den Drogenhändlern vereinnahmt worden, dass er mittlerweile den Beinamen "El Narcosanto" trägt. Die sogenannte Narcocultura übernimmt in Mexiko die gleiche Funktion wie Gangsterrap anderswo: Sie bietet einen hippen Gegenentwurf zum Mainstream, die Chance auf einen sozialen Aufstieg und den Traum vom schnellen Geld. Nur ist das Milieu, in dem sie entsteht, ungleich gewalttätiger.

Teil 2: Simple Durchhalteparolen

  • Aus der FTD vom 16.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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