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Merken   Drucken   19.02.2008, 21:18 Schriftgröße: AAA

Out of Office: Rennen statt Brennen  

Ein Hamburger Reiseunternehmer will mit Burn-out-Präventionsreisen gestresste Manager vor der totalen Erschöpfung schützen - und stößt dabei auf einen wachsenden Markt für gesunde Urlaubsangebote. von Miriam Bunjes
Eingebettet zwischen Zitronenbäumen liegt eine weiße Finca. Sie soll heilen, Manager vor dem Kollaps bewahren. Die Finca liegt im tiefsten Funkloch, ganz absichtlich, niemand soll hier arbeiten. Nur mal eben schnell nach Hause telefonieren, nachfragen, wie es in der Firma läuft, was nach der Rückkehr ansteht? Auf keinen Fall. Stattdessen gibt es Sportstunden, gesundes Essen und Gesprächskreise - schließlich ist man in der Finca nicht im Urlaub, sondern auf einer Burn-out-Präventionsreise.
Die Anti-Stress-Ferien sind neu auf dem Markt, ein Angebot des Hamburger Unternehmens LifeB/Fitwell-Reisen, das nach Auskunft des Veranstalters vor allem Menschen mit ersten Burn-out-Symptomen wie Schlafstörungen und Unruhe helfen soll. Gesundheitsurlaub liegt im Trend: 45 Prozent der Deutschen planen für 2008 eine gesunde Reise, zeigt die Tourismusanalyse des BAT-Freizeitforschungsinstituts. "Gerade Medical Wellness, gezielte Angebote gegen bestimmte Beschwerden, sind ein wachsender Markt", sagt Institutsgeschäftsführer Ulrich Reinhardt. Ausgewiesene Burn-out-Urlaube sind ein Marktnovum, die meisten großen Anbieter wie FIT-Reisen, Medical-Reisen oder inzwischen auch der Tchibo-Reiseshop bieten vor allem Reisen gegen körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Rheuma an. "Hilfe gegen Berufsstress versprechen zwar auch Wellnesshotels mit Whirlpool", sagt Sozialwissenschaftler Reinhardt, spezielle Burn-out-Reisen aber seien trotzdem Erfolg versprechend: Schließlich handele es sich bei diesen Erschöpfungszuständen mittlerweile um eine Volkskrankheit, die vor allem die betrifft, die sich auch teure Reiseangebote leisten können.
Zwischen 1000 und 1500 Euro kostet eine Reise bei LifeB/Fitwell. Es geht für höchstens zehn Teilnehmer sieben Tage nach Österreich, Bayern oder Mallorca - wo dann streng nach Stundenplan entspannt wird. Jogging am Morgen, Ernährungsberatung, Gruppencoaching. Nach ausführlicher Analyse der Stressfaktoren, die den Arbeitsalltag so aufreibend machen, bleibt sogar etwas Zeit für individuelle Freizeit. "Es ist immer noch Urlaub", sagt Reiseveranstalter Dirk-Oliver Lange. "Wir arbeiten aber nur mit Hotels zusammen, die Wellnessangebote haben. Die Freizeit ist also auch gesund." Es folgen Gemeinschaftssport und Essen. Einmal erhält jeder Teilnehmer zudem ein 90 minütiges Einzelcoaching.
Für besonders Gestresste gibt es eine Spezialkur: zehn Tage "intensive Prävention"- ein Reisender, ein Coach. Kosten: zwischen 7000 und 17.000 Euro, je nach Reiseziel. "Ich komme auch in die Karibik, wenn mein Kunde das wünscht", sagt Lange. Die Deluxe-Kunden werden nach der Reise drei Monate lang telefonisch betreut.
Nachhaltigkeit ist wichtig, wenn die Stressvorsorge wirklich der Gesundheit dienen soll, sagt auch der Dortmunder Pflegewissenschaftler Marco Hufnagel. "Burn-out ist eine psychische Krankheit, ein bisschen Wellness reicht da nicht." Ein Angebot ohne medizinisches oder therapeutisches Konzept sollten Verbraucher genau prüfen. "Coach kann sich jeder nennen", sagt Hufnagel. Prinzipiell könne eine Reise präventiv wirken, solange sie Techniken vermittele, die mit nach Hause genommen werden. "Sonst geht der alte Trott wieder los."
Jener tägliche Trott nämlich, der Reiseanbieter Lange vor zehn Jahren während seiner Zeit in der Werbebranche schwer zu schaffen machte. Mit 24 Jahren wurde er damals selbst zum Burn-out-Patienten, erzählt er. Für seine Reiseangebote hofft er nun auf einen Kundenstamm, dessen bedenkliche Stressbelastung ihm bestens bekannt ist: seine alten Kollegen.
  • Aus der FTD vom 20.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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