Die krebskranke Karla Stromgren zimmerte sich bei Randy Schnobrich ihren Sarg. Ein Tag, nachdem er fertiglackiert war, starb sie
Die Finanzkrise, sagt Schnobrich, zwinge die Menschen, ihre Ansprüche grundsätzlich zu überdenken. "Das wirkt sich positiv auf mein Geschäft aus." Die dreitägigen Sargbaukurse, die der 45-Jährige an der North House Folk School für Handwerkskunst in Grand Marais anbietet, einem Küstenkaff am Lake Superior, kosten 700 Dollar. Holz, Schrauben, Werkzeug und Leim sind da schon mit drin. Ein durchschnittlicher Sarg vom Bestatter hingegen kostet in den USA zwischen 3000 und 5000 Dollar. Und so hat in den letzten Jahren, seit mit Lehman auch der amerikanische Traum kollabierte, die Zahl der Kursteilnehmer ständig zugenommen.
Unter ihnen sind viele alte und kranke Menschen, wie etwa Karla Stromgren. "Als sie das erste Mal in meiner Werkstatt erschien, war ihre Leber bereits so vom Krebs zerfressen, dass sie kaum ihren Schraubenzieher halten konnte", sagt Schnobrich. Immer wieder bot er der 63-Jährigen an, ihr Arbeit abzunehmen. Immer wieder lehnte sie ab. Manchmal weinte sie. Am Ende des Kurses war sie stolz, die Arbeit trotz Krebs und Chemotherapie fast allein geschafft zu haben. Zwei Monate später setzte sich Schnobrich in seinen Wagen und fuhr zu ihr - fünf Stunden durch die Nacht, nach Minneapolis. In Stromgrens winziger Hütte lackierte er das noch unbehandelte Tannenholz ihres Sargs. Einen Tag später war sie tot.