Londons Olympiamaskottchen Wenlock und Mandeville haben eine Imagekrise: Beim Hersteller der Plüschfiguren sollen unhaltbare Zustände herrschen. von Linda Gondorf, Hamburg
Das erste offizielle Maskottchen bei Olympischen Spielen war ein Dackel. Es waren natürlich deutsche Spiele, München 1972. Zäh ist so ein Dackel und possierlich, ein wunderbarer Sympathieträger. Und klar zu erkennen. Was Wenlock und Mandeville darstellen, die Maskottchen der anstehenden Sommerspiele von London, ist weniger offensichtlich: Es sollen Stahltropfen sein, die beim Bau des Olympiastadions zum Leben erwachten. Und mit den Sympathiewerten klappt es gerade auch nicht so gut.
Grund ist ein Bericht der "Sun" über die Bedingungen, unter denen angeblich die Plüschversionen der einäugigen Klopse hergestellt werden. Mit der Produktion hat der britische Hersteller Golden Bear einen chinesischen Auftragsfertiger beauftragt, und in dessen Fabrik herrschten katastrophale Bedingungen, meldet die Boulevardzeitung unter Berufung auf die chinesische Studentenbewegung Students & Scholars Against Corporate Misbehavior (Sacom).
Olympia-Maskottchen
Angriff der olympischen Zyklopen
Schon im Herbst 2011 hatte Sacom die Fabrik im ostchinesischen Dafeng besucht. Ohne Vertrag und ohne festes Grundgehalt seien die Arbeiter dort tätig, berichteten die Studenten, für 31 Cent pro Stunde - nach Sacom-Daten müssten es ausgehend vom Mindestlohn bei den üblichen 11,5-Stunden-Tagen 65 Cent sein. Überstunden würden nicht bezahlt, um Hygiene und die Gesundheit der Näherinnen sei es schlecht bestellt.
Dabei hatte das London 2012 Organising Committee (Locog) strenge Ethikrichtlinien für Zulieferer erlassen. Unter anderem müssen Unternehmen den ortsüblichen Mindestlohn zahlen und die Anstellungsbedingungen schriftlich festhalten - Regeln, die laut Sacom in Dafeng nicht eingehalten werden.
Dem Locog droht nicht nur ein Imageschaden: Auf mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz mit Souvenirs hoffen die Veranstalter, 12 Pfund (14 Euro) und mehr kosten - je nach Ausführung - die Plüschfiguren, die jetzt ins Gerede gekommen sind.
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