Das ist schon voll! Während des Weltwirtschaftsforums hat man auf den Davoser Pisten freie Fahrt
In Davos existieren in den Tagen des WEF, das bis Sonntag stattfand, zwei Parallelwelten: Im Dorf sind große Zonen rund um das Kongresszentrum und in vielen Hotels exklusiv für die hochrangigen Teilnehmer des WEF abgesperrt. Zur selben Zeit präsentieren sich die Berge mit ihren fünf Skigebieten und 55 Liften als nicht minder exklusiver Fleck Erde. Im Tal trägt man Anzug und den Laptop in der Hand, auf den Gipfeln Skianzug und Stöcke. Unten herrscht dichtes Gedränge auf Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen, hoch oben zwischen Weißfluhgipfel und Jakobshorn nur Leere und Einsamkeit: auf den Hängen, an den Liften und in den Berghütten. Und das, wie in diesem Jahr, bei einem halben Meter Neuschnee! Eine Mitarbeiterin der Davoser Bergbahnen schätzt gar, dass letzte Woche nur wenige Hundert Skifahrer pro Tag unterwegs gewesen seien. In der gesamten Weihnachtszeit seien es bis zu 100.000 auf den über 300 Kilometern Piste, die Davos zu bieten hat.
Die WEF-Teilnehmer selbst haben keine Zeit zum Skifahren. Nur am letzten Tag sammeln sich einige von ihnen traditionell zu einem Skirennen. Unter der Woche schicken sie ihre Liebhaberinnen, Ehefrauen, Schwiegermütter und Kinder auf die Piste. Koes aus Amsterdam zum Beispiel ist der Sohn eines Bankers. Ihn langweilen die Vorträge, er will auch keine Geschäfte machen. Er wohnt auf Kosten des Vaters im bezaubernd schönen Schatzalp Hotel, dem ehemaligen Sanatorium, in dem 1912 der Schriftsteller Thomas Mann seine Frau besuchte.
Koes hat damit das größte Problem dieser Woche spielend gelöst: überhaupt eine Unterkunft zu bekommen. Denn dass so wenig auf den Pisten los ist, liegt auch daran, dass es für Touristen nahezu unmöglich ist, während des WEF überhaupt ein Zimmer in Davos zu bekommen. Alles ausgebucht und abgesperrt.
Um die wenigen Skifahrer in ihre Bergrestaurants und freien Liegestühle in der Sonne zu locken, lassen sich die Pächter gar Besonderes einfallen. Im Parsenner Skigebiet lockt die Chesetta-Hütte mit ihren weiß-blauen Fensterläden mit einem Espresso gratis. Auch eine Rivella, ein Schweizer Erfrischungsgetränk, gibt es kostenlos für all jene, die nicht im Militärhelikopter oder in einer Leihlimousine herbeichauffiert wurden, sondern ganz einfach nur Davos genießen wollen, weil es so schöne Berge hat.
Nur manchmal verirren sich auch WEF-Teilnehmer während der Tagung in die Skigebiete. Etwa am Donnerstag, als plötzlich 25 chinesischen Regierungsbeamte in Anzug, Krawatte und eingepackt in schwarze, lange Mäntel in 2662 Metern Höhe auf dem Weißfluhjoch stehen. An der Bergstation wollen sie Skier ausleihen. Und zwar jetzt und sofort - und lassen sich dann doch überzeugen, dass sie die falsche Kleidung zum Skifahren tragen.