FTD: Herr Schroeder, alles neu macht die Bundestagswahl am 27. September? Ein neues Kabinett, neue Gesichter, neue Stimmen. Wie stellen Sie sich als Kabarettist und Parodist auf das Großereignis ein?
Schroeder: Eine Bundestagswahl kann schon eine große Zäsur sein. Aber nicht dieses Jahr. Ich bin sicher: Die große Koalition wird fortgesetzt. Bei einem Candlelightdinner im Kanzleramt wurde das längst vereinbart. Mein Eindruck ist: Steinmeier will gar nicht Kanzler werden, Merkel will es bleiben. So führt man jetzt ein bisschen Scheinwahlkampf. Das war’s.
FTD: Keine schwarz-gelbe Koalition?
Schroeder: Nein! Guido Westerwelle wäre eine viel zu große Herausforderung für Merkel. Den könnte sie nicht so easy an der kurzen Leine halten wie die SPD.
FTD: Trotzdem. Haben Sie schon neue Charaktere einstudiert für den Fall, dass die FDP von der Oppositions- auf die Regierungsbank wechselt?
Schroeder: Nein, es gibt ja keine neuen Figuren in der FDP. Überall nur die alten Haudegen: Brüderle, Solms – ich dachte, ich sei wieder zwölf Jahre alt, als ich die Plakate sah und fragte mich: Wann und vor allem wie kommt Möllemann?