Mein Freund, das Hindernis
Für Kalteis sind Barrieren grundsätzlich eine Frage der Perspektive. Die Stadtsportler rennen bei der Ausübung ihres Hobbys "wie Flash Gordon, klettern wie Spiderman, springen wie Batman" und genießen nach jedem besonders gewagten Sprung "den Kick, etwas zu schaffen, das die meisten Menschen für unmöglich halten". Wer den Verlust seines Arbeitsplatzes nicht als traumatisches und Furcht einflößendes Erlebnis, sondern als spannende Herausforderung sehen will, müsse sich zunächst allerdings die wichtigsten Eigenschaften eines Traceurs aneignen: "Disziplin, Wille, Konzentrationsfähigkeit, Fokussierung, Mut, Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Selbstreflexion, Kritikfähigkeit".
Ein ambitioniertes Anforderungsprofil. Klar: Mit ein paar halbherzigen Hopsern lässt sich kein Carpark erklimmen. Doch durch die ständige Erfahrung, dass sich Hindernisse tatsächlich überwinden lassen, verändere sich schließlich die Wahrnehmung schwieriger Situationen, sagt Kalteis: "Man begegnet ihnen nicht mehr mit Angst und Missmut, sondern mit dem Wunsch, die Herausforderung anzunehmen und aus der Situation das Bestmögliche zu machen."
Im Parkour gehe es darum, Situationen so zu nehmen, wie sie sind, weil man die äußeren Umstände meist eben nicht beeinflussen könne: "Wenn ich von einer Mauer zur nächsten springe und unerwartet nur mit einem Fuß aufkomme und mit dem anderen abrutsche, muss ich sehr schnell etwas aus der Situation machen. Das ist beinahe instinktiv." Ein Salto etwa sei im Parkour eine völlig unnötige Bewegungsform: "Trotzdem ist es wichtig, ihn zu beherrschen, denn das eigene Repertoire an Bewegungen kann gar nicht groß genug sein - wie man sich auch im Beruf ständig neue Kompetenzen aneignen sollte, auch wenn man sie vielleicht im Moment noch gar nicht anwenden kann."