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Merken   Drucken   28.06.2011, 18:24 Schriftgröße: AAA

US-Veteranen: Neuer Einsatzort: Wall Street

Wer sich auf dem Schlachtfeld bewährt hat, der gibt auch einen guten Banker ab: Eine Allianz von New Yorker Finanzhäusern macht aus Irak- und Afghanistan-Veteranen zurück in der Heimat Krieger des Kapitalismus.
© Bild: 2010 AFP
Wer sich auf dem Schlachtfeld bewährt hat, der gibt auch einen guten Banker ab: Eine Allianz von New Yorker Finanzhäusern macht aus Irak- und Afghanistan-Veteranen zurück in der Heimat Krieger des Kapitalismus. von Simon Berg, New York
Große Worte sind ihre Sache nicht. Mit energischen Schritten rauscht Ellen Gardner in das Foyer, ein stummes Nicken bedeutet dem Besucher: mir nach. Kehrt marsch und rein ins Büroflur-Labyrinth des Deutsche-Bank-Turms an der Wall Street. "Im Nahkampf hätten wir gegen sie keine Chance", raunt ein Kollege im Vorbeigehen. 15 Jahre ist es jetzt her, dass die kleine Frau mit dem Kurzhaarschnitt ihre Marineuniform gegen das Businesskostüm getauscht hat. Aber die Soldatin wird sie nicht los.
Soll sie auch nicht. Die Militärakademie-Absolventin ist ein Aushängeschild der Kampagne "Veterans on Wall Street", die Kriegsheimkehrern eine berufliche Zukunft eröffnen soll. 27 Prozent der 18- bis 24-jährigen Ex-Soldaten haben keinen Job, bei gleichaltrigen Zivilisten beträgt die Arbeitslosenquote 17,4 Prozent. Die Veteranen-Hilfsorganisation Hire Heroes USA bemüht sich schon seit Jahren um die Vermittlung von Ex-Soldaten; vor zehn Monaten starteten die Banken ihr eigenes Heldenprogramm.
Treibende Kraft ist ausgerechnet die Deutsche Bank , auch Credit Suisse  ist dabei, Goldman Sachs , die Citibank und die Bank of America . Ellen Gardners Biografie soll den Bankoberen zeigen, welches Potenzial in den Veteranen steckt. Früher fuhr sie auf dem U-Boot-Versorger "USS Frank Cable" über den Pazifik, heute schnürt die studierte Juristin Strukturpakete für Versicherungen, um sie gegen Verluste aus Naturkatastrophen zu schützen. Im Moment wettet sie auf schlechtes Wetter - die Orkansaison hat gerade begonnen.
Mit Wohltätigkeit soll der Vorstoß nichts zu tun haben. "Das ist ein gutes Geschäft", sagt Jamie Peace, Deutsche-Bank-Manager und Irak- und Afghanistan-Veteran. Was die Soldaten in der Ausbildung und ihrem Einsatz an Fähigkeiten erworben hätten, mache sie zu besseren Investmentbankern.
Gerade erst hat Peace in New York eine Jobbörse für Veteranen organisiert, passenderweise auf dem im New Yorker Hafen fest verankerten Flugzeugträger "USS Intrepid". Offiziere trafen sich hier mit Bankmanagern und Regierungsmitgliedern und ließen sich mit martialischen Vergleichen als Rekruten für die Schlachtfelder der Finanzmärkte preisen.
"Als Investmentbanker kann dir jeden Tag der Kopf platzen, du bekommst so viele Informationen auf einmal", sagt Afghanistan-Veteran John Eydenberg, Chef der weltweiten Sponsorengruppe der Deutschen Bank. Ein Soldat würde in dieser Situation niemals sagen: Es geht nicht. "Schließlich ist im Feld Erfolg die einzige Option. Und so ist es hier auch."
In mehrseitigen Anzeigen werben die Finanzhäuser für die Veteranen - und für sich. "Natürlich geht es den Unternehmen auch um die positive Wirkung in der Öffentlichkeit", sagt Roy Smith, Professor an der New Yorker Stern School of Business und Ex-Marinesoldat. In den USA sind Veteranen hoch angesehen - quer durch das politische Spektrum, selbst glühende Kriegsgegner stehen zu den Männern und Frauen in Uniform.
Ausgenutzt würden seine Kameraden aber nicht, findet Smith: "Es ist doch gut, dass diese Firmen Offiziere einstellen, die aus dem Dienst ausscheiden."
Für den ausgemusterten Marineoffizier Don Conrad etwa ging es aus Kuwait direkt auf den Bürostuhl, die Arbeitsbedingungen in seinem neuen Job kommen ihm vertraut vor: "Hoher Einsatz, viel Stress und eine schnelle Veränderung der Bezugspunkte". Die Umschulung habe nur sechs Wochen gedauert: "Wall Street und War Street sind sich viel ähnlicher, als man denkt", sagt er.
  • Aus der FTD vom 29.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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