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Merken   Drucken   17.06.2010, 14:00 Schriftgröße: AAA

Abtauchen auf den Malediven: Riffgierig

Nach zwölf Tauchgängen durch die Malediven wissen wir endlich, wie sich ein Fisch im Wasser fühlt: ziemlich high! Dies könnte der Beginn einer ganz normalen Kreuzfahrt sein. von Marc Bielefeld
Es ist Nachmittag, die Sonne hängt gelb und warm im Himmel, das Meer leuchtet blau und weit. Doch dies ist keine normale Kreuzfahrt. Noch bevor der Steward den ersten Champagner ausschenkt, geht es auf Tiefe.
Säulen silbriger Blasen steigen aus den Atem­geräten empor, als wir die Luft aus den Tarierwesten lassen. Wir sinken hinab in den Indischen Ozean, fünf Meter, acht, zehn, zwölf. In 18 Metern Tiefe landen wir behutsam auf sandigem Grund. Weit oben schwebt die Meeresoberfläche wie ein Dach aus Silberpapier. Darunter nichts als transzendente Bläue.
Ali, der maledivische Divemaster, gibt ein Zeichen. Wir hängen uns in die Strömung, treiben durchs Meer. Auf 25 Metern Tiefe zeigt der Tauchcomputer am Handgelenk noch immer 29 Grad Wassertemperatur an. Wir schwimmen in der aberwitzigsten Badewanne des Planeten. Im Tropenmeer.
Nur etwas weiter entfaltet sich das Riff. Was hat der Schöpfer genommen, als er das hier entwarf? Wir schweben über lilafarbene Hirnkorallen hinweg, über Tellerfarne und knallgelbe, in der Strömung flatternde Anemonen, die mit ihren Tentakeln nach Plankton gieren. Kreischbunte Muster ziehen vorüber, ein Gewühl aus Formen und Farben.
Die Lounge der "Four Seasons Explorer"   Die Lounge der "Four Seasons Explorer"
Mittendrin ein blau gesprenkelter Boxfisch im gelben Flammendesign. Ein Prachtexemplar, das man im New Yorker MoMA direkt neben die Jackson Pollocks und Andy Warhols hängen könnte. Dann wieder drehen sich durchsichtige, mit winzigen Propellern bestückte Würmer durch das Farbuniversum. Böge jetzt noch ein grün gekringeltes Span­ferkel um die Ecke, es würde niemanden wundern.
Fast 50 Minuten dauert der Tauchgang schon, und das ist erst der Vorgeschmack. Vier Tage werden wir durch die Atolle der Malediven kreuzen und min­destens dreimal täglich die Tiefe erforschen. Mehr Ozean geht nicht.
Kuda Huraa, Nord-Male-Atoll, 19 Uhr
Nach dem Tauchen stehen die elf Passagiere auf dem Oberdeck. Durchweg leise Menschen mit guten bis sehr guten Manieren. In den wolkenartigen Betten des Tauchkreuzers schlafen überwiegend Filmschauspieler, Unternehmer, Banker, Vorstände. Die Passagiere sind frisch geduscht, eine junge Französin umweht ein leichtes Baumwollkleid. Nun schenken die maledivischen Kellner den Champagner aus, der kalt in der Hand liegt und roséfarben vor der untergehenden Tropensonne perlt. Novizen müssen sich jetzt erst mal sortieren. Sonst drohen sie dahinzuschmelzen in diesem Fototapetendasein.
Es ist der erste Tag der Kreuzfahrt. Gleich zu Beginn, beim Check-in am frühen Nachmittag, hatten die Passagiere ihre Schlappen auf einem Regal unten auf dem Tauchdeck abgestellt. Eine Barfußreise.
Das Schiff ist ein 39 Meter langer, schwarz ver­glaster Hightech-Katamaran mit Badeplattformen, Spa und kompletter Tauchstation an Bord. Dazu 22 Mann Besatzung plus Kapitän Leo Beni aus Indonesien und Cruise Director Diederik aus den Niederlanden.
Der Katamaran hat alles, was das Leben erträglich macht: Flachbildschirme, W-Lan, Single Malts, Melonensäfte, ein auf Eis gebettetes Frühstücksbüfett, Jacuzzi, Ayurveda-Massagen mit Blick aufs Meer sowie nach Zitronengras duftende kalte Tücher, die einem geschätzte 20-mal pro Tag gereicht werden. Und natürlich: dreimal am Tag frisch ausgewa­schene und makellos dahingefaltete Neoprenanzüge, ­ferner die beiden in Agentenschwarz gekleideten Tauchlehrer Ali und Gabriel sowie gute Chancen auf ­Rochen, Haie, Muränen.
Acht Uhr abends. Beim Captain's Dinner mehren sich die Anzeichen, dass das Meer uns völlig vereinnahmen wird. Es gibt Jakobsmuscheln an Kapern-Emulsion, danach einen in Olivensoße präsentierten Red Snapper, der vor drei Stunden noch unten über die Riffe flitzte. Ein Strauß weißer Hartkorallen dekoriert die offene Bordbar, auf den Couchtischen liegen schwere Bildbände aus: Tauchgründe des Indischen Ozeans, ­Fische Malaysiens, Rainbow Seas.

Teil 2: Meer allüberall

  • FTD.de, 17.06.2010
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