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Merken   Drucken   05.02.2012, 15:55 Schriftgröße: AAA

Frost: Rekordfrost, Notstand und ein dummer Paddler

Europaweit herrscht Chaos mit vielen Toten, in Deutschland stürzen die Tiefsttemperaturen Richtung minus 30 Grad. Das hielt einen Mann nahe Hamburg nicht davon ab, mit seinem Kajak auf die Elbe hinauszufahren - keine gute Idee.
Trotz Eis und Kälte hat sich ein Paddler mit seinem Boot auf die Unterelbe bei Wedel nahe Hamburg gewagt. Prompt blieb der 41-Jährige mit seinem Kajak im Eis stecken. Nach Schilderung der Polizei befand sich der Mann etwa 30 Meter vom Uferrand entfernt, als er sich in den Eismassen nicht mehr vor und zurück bewegen konnte. Zur Rettung musste neben einem Schiff der Wasserschutzpolizei auch ein Polizeihubschrauber eingesetzt werden. Der Kajakfahrer konnte sicher an Land gebracht werden.
Bildergalerie Die schönen Seiten der Kälte
Für viele hat der Frosteinbruch weitaus schlimmere Folgen. Fast 290 Menschen starben bislang in der Kälte. Der stärkste Schneefall seit Jahrzehnten löste vor allem in Serbien und Italien ein Verkehrschaos aus. In Rumänien und Bulgarien kam nach dem Schnee der Regen und sorgte für tückisches Glatteis. Zehntausende blieben ohne Strom. Soldaten wurden zu Räumarbeiten eingesetzt. In Deutschland war die Nacht zum Sonntag mit minus 28 Grad die bisher kälteste Nacht des Winters. Und es soll noch kälter werden. Zugleich sind neuer Schnee und Stürme angekündigt.
In Mittel- und Süditalien herrschte Winterchaos. Zwei Menschen starben, als Dächer unter der Last des Schnees zusammenbrachen. Bis zu 120.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. Tausende blieben in Zügen oder Autos stecken. In Rom und anderen Städten befreiten Soldaten die Straßen von Schnee und Eis.
Angesichts einer bis zu zwei Meter hohen Schneedecke galt in Serbien am Samstag in fast 30 Gemeinden der Ausnahmezustand. Alle Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollten diese Woche geschlossen bleiben. Die Regierung in Belgrad rief die Bürger zur Hilfe beim Schneeräumen auf. Lawinen schlossen etwa 90 Menschen in einem Straßentunnel in Montenegro 24 Stunden lang ein. Im kroatischen Dalmatien wurde der Notstand ausgerufen.
Europaweit fallen Obdachlose der Kälte zum Opfer
Erst Schneestürme, dann Regen in Teilen Bulgariens und Rumäniens. Befahrbar waren praktisch nur die Hauptstraßen auf der Route von US-Außenministerin Hillary Clinton, die sich kurz in der bulgarischen Hauptstadt Sofia aufhielt. In zwei Gemeinden im Süden des Landes wurde nach intensiven Regenfällen der Notstand ausgerufen. Ein Stausee drohte überzulaufen. Der schnell gefrierende Regen verwandelte viele Landstraßen in Rutschbahnen.
Allein in der Ukraine fanden bislang insgesamt 131 Menschen den Kältetod. Dort erfroren am Wochenende wieder 30 Bürger bei Rekordtemperaturen von minus 30 Grad; in Rumänien waren es zehn Menschen und damit seit Ausbruch der Kältewelle insgesamt 34. In Polen starben laut Regierung am Samstag und Sonntag 15 Bürger im Frost. Dort erlitten bislang insgesamt 53 Menschen den Kältetod. Im Baltikum kostete der Frost weiteren fünf Menschen das Leben.
Dem harten Winter fallen europaweit vor allem Obdachlose zum Opfer. Aus Frankreich wurden am Wochenende drei neue Kältetote und damit insgesamt vier gemeldet. Zudem starb ein elfjähriger Junge, als er durch das Eis in einen See einbrach. Auch in Deutschland starben schon mehrere Menschen den weißen Tod. Weitere kamen beim Wintersport ums Leben. Von zwei eingebrochenen Eisläufern wurde am Samstag einer tot geborgen, die Suche nach dem anderen wurde eingestellt. In Südtirol kamen zwei Skifahrer in einer Lawine ums Leben.

Teil 2: Die Kälte lähmt den Schiffsverkehr

  • dpa, 05.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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