Ein Strand voller schöner Frauen (Archivbild)
"Perle des Atlantiks" auf der PartyweltkarteDer Chef der Agentur Dotto Models aus Buenos Aires lächelt verträumt. Er trägt seine grauen Haare halb lang, ist hoch gewachsen, schlank und geht heut ganz in Weiß. Dies ist seine Party, seine Villa, sein Harem. Jeden Sommer verbringt Dotto mit gut 30 seiner Fotomodels auf der Finca La Fontana. Von hier aus schickt er sie ins Gefecht. Tags an den Strand, um an der Buddha Bar für Honda oder Pepsi zu posieren, abends zu Modenschauen in die Hotels. Den 50-Jährigen umweht der herbe Hauch eines altmodischen Vati-Parfüms, als er heiser philosophiert: "Die schönsten Momente sind die, die ganz spontan entstehen."
Die Perle des Atlantiks ist zurück auf der Partyweltkarte. Schon in den 60er-Jahren eine Spielwiese für Salonlöwen wie Gina Lollobrigida oder Che Guevara, rückte das Seebad 1986 ins große Rampenlicht. Zwischen Dünen und Wellen hoben Politiker zahlreicher Staaten die Welthandelsorganisation aus der Taufe. Die Welt flog nach Punta, um sich neben Diego Maradona oder den Rolling Stones zu sonnen. Doch dann dollarisierte Argentiniens Präsident Carlos Menem in den 90er-Jahren die Wirtschaft. Uruguays "argentinische Riviera" hätte er damit beinahe ausradiert. Weil plötzlich jeder argentinische Peso einen Dollar wert war, flog der Jetset lieber nach Miami. Erst nachdem der Hokuspokus 2001 implodierte, kamen die Stammgäste zurück. Diesmal brachten sie internationalen Geschmack mit, und nun brummt Punta wie nie zuvor.
"Die Europäer und Amerikaner kommen in Scharen", schwärmt Alfredo Etchegaray: "Und sie kaufen, kaufen, kaufen!" Uruguays Partykönig ist ein kleiner, dunkelhaariger Mann von 52 Sommern, ein Sonnyboy mit gezupften Augenbrauen, Brillantine-Scheitel, weißer Hose und hellblauem Segelpullover. Eigentlich ist er als Partyveranstalter und Playboy, als Journalist, Schatzsucher und Tierfreund bekannt. Doch seit sich die Welt in Punta einkauft, gibt er sich am liebsten als "Immobilien-Consultant".
Dort drüben zum Beispiel hat gerade Julio Iglesias gebaut und sein Gärtchen mit 580 Palmen bepflanzt. Nur zu gern verrät Etchegaray einen weiteren Grund für den Boom: "Uruguay ist ein offenes Land, eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt man ohne Probleme, und es gibt keine Kontrollen oder Steuern auf Geld, das aus dem Ausland kommt", wirbt er ungeniert: "Wär das nicht auch was für Sie?"
Es wäre jedenfalls mal was anderes: ein übersüßter Latino-Cocktail aus Saint-Tropez und Marbella mit einem kräftigen Schuss Monte Carlo, einer Prise Sylt - und einem Nachgeschmack von Las Vegas, den das pompöse Kasino des Hotel Conrad hinterlässt.