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Merken   Drucken   12.05.2008, 14:00 Schriftgröße: AAA

Reportage: Playboys' Paradise

Das Saint-Tropez der Südhalbkugel liegt in Uruguay. Nirgendwo sonst räkeln sich pro Quadratmeter so viele Models, nirgendwo wird dekadenter gefeiert als in Punta del Este - behauptet Hilmar Poganatz.
Argentiniens Erfolgsplayboy hat mal wieder alles richtig gemacht. Hoch oben steht er auf einer Düne über dem Atlantik. In der Ferne glitzern die Lichter von Südamerikas Partyparadies Punta del Este. Pancho Dotto schaut wie ein Feldherr auf das Getümmel in der Ebene. Drei Dutzend Models tanzen johlend um ein Lagerfeuer. Walpurgisnacht meets Dolce Vita. Es ist, als habe der Teufel seine schönsten Hexen zum Sabbat bestellt. Kreischend weichen sie Funken aus, wiegen sich im Flammenschein und wedeln barfuß durch die Rauchschwaden. Zwischen ihnen springen vier männliche Einpeitscher und ein Kameramann herum, ein junger Saxofonist kriecht auf Knien durch den Sand.
Ein ganz normaler Partyabend im Saint-Tropez der Südhalbkugel. Zwei Autostunden östlich von Montevideo räkelt sich das mondänste Seebad Südamerikas auf einer sandigen Landzunge: Punta del Este, kurz "Punta" genannt. Links der Atlantik, rechts der kaffeebraune Río de la Plata, an dessen Horizont beinahe Buenos Aires durchschimmert. Weil die argentinische Megacity keine eigenen Strände besitzt, hat sich die High Society von Buenos Aires gegenüber in Uruguay einen Außenposten errichtet. Steuerhinterzieher aus der ganzen Welt haben es der Geldelite gleichgetan, und so zeichnen heute Hochhäuser und Kasinos eine Miami-Skyline in den stahlblauen Himmel unterm Ozonloch. Vom herrschaftlichen Hügel des Boutiquehotels Las Cumbres sieht man, wie Punta sich in alle Richtungen ausfächert: Luxusvillen, Dünenstrände, Marinas, Kiefernwälder. Und schicke Landhäuser wie das von Pancho Dotto.
Ein Strand voller schöner Frauen (Archivbild)   Ein Strand voller schöner Frauen (Archivbild)
"Perle des Atlantiks" auf der Partyweltkarte
Der Chef der Agentur Dotto Models aus Buenos Aires lächelt verträumt. Er trägt seine grauen Haare halb lang, ist hoch gewachsen, schlank und geht heut ganz in Weiß. Dies ist seine Party, seine Villa, sein Harem. Jeden Sommer verbringt Dotto mit gut 30 seiner Fotomodels auf der Finca La Fontana. Von hier aus schickt er sie ins Gefecht. Tags an den Strand, um an der Buddha Bar für Honda oder Pepsi zu posieren, abends zu Modenschauen in die Hotels. Den 50-Jährigen umweht der herbe Hauch eines altmodischen Vati-Parfüms, als er heiser philosophiert: "Die schönsten Momente sind die, die ganz spontan entstehen."
Die Perle des Atlantiks ist zurück auf der Partyweltkarte. Schon in den 60er-Jahren eine Spielwiese für Salonlöwen wie Gina Lollobrigida oder Che Guevara, rückte das Seebad 1986 ins große Rampenlicht. Zwischen Dünen und Wellen hoben Politiker zahlreicher Staaten die Welthandelsorganisation aus der Taufe. Die Welt flog nach Punta, um sich neben Diego Maradona oder den Rolling Stones zu sonnen. Doch dann dollarisierte Argentiniens Präsident Carlos Menem in den 90er-Jahren die Wirtschaft. Uruguays "argentinische Riviera" hätte er damit beinahe ausradiert. Weil plötzlich jeder argentinische Peso einen Dollar wert war, flog der Jetset lieber nach Miami. Erst nachdem der Hokuspokus 2001 implodierte, kamen die Stammgäste zurück. Diesmal brachten sie internationalen Geschmack mit, und nun brummt Punta wie nie zuvor.
"Die Europäer und Amerikaner kommen in Scharen", schwärmt Alfredo Etchegaray: "Und sie kaufen, kaufen, kaufen!" Uruguays Partykönig ist ein kleiner, dunkelhaariger Mann von 52 Sommern, ein Sonnyboy mit gezupften Augenbrauen, Brillantine-Scheitel, weißer Hose und hellblauem Segelpullover. Eigentlich ist er als Partyveranstalter und Playboy, als Journalist, Schatzsucher und Tierfreund bekannt. Doch seit sich die Welt in Punta einkauft, gibt er sich am liebsten als "Immobilien-Consultant".
Dort drüben zum Beispiel hat gerade Julio Iglesias gebaut und sein Gärtchen mit 580 Palmen bepflanzt. Nur zu gern verrät Etchegaray einen weiteren Grund für den Boom: "Uruguay ist ein offenes Land, eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt man ohne Probleme, und es gibt keine Kontrollen oder Steuern auf Geld, das aus dem Ausland kommt", wirbt er ungeniert: "Wär das nicht auch was für Sie?"
Es wäre jedenfalls mal was anderes: ein übersüßter Latino-Cocktail aus Saint-Tropez und Marbella mit einem kräftigen Schuss Monte Carlo, einer Prise Sylt - und einem Nachgeschmack von Las Vegas, den das pompöse Kasino des Hotel Conrad hinterlässt.

Teil 2

  • FTD.de, 12.05.2008
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