Landschaft in den Hamptons
Die Hamptons sind das totale Gegenteil von Manhattan. Dort stehen alle ständig unter Strom und sind auf "Go, go, go" getaktet, hier dürfen sie sich gehen lassen. Wer in den Jitney, den Pendelbus, steigt, schüttelt mit jedem Kilometer ein Stück Anspannung ab. In Brooklyn und Queens sind die Straßen noch voll, und es wird energisch gehupt, dann nimmt der Verkehr ab, und bei der Ankunft fühlt man sich ein wenig wie Alice im Wunderland.
Das Flair der Hamptons - locker, aber mit Klasse, sehr boheme - passt zu mir. Das habe ich schon gemerkt, als ich vor 20 Jahren zum ersten Mal mit meiner besten Freundin herkam. Bei ihr und ihrem amerikanischen Mann habe ich den New Yorker Brauch kennengelernt, den Sommer über hier eine Bleibe zu mieten.
Hotels und Pensionen sind selten, hier mietet man ein Haus
Selbst für ein Wochenende beziehen die meisten ein Haus oder eine Wohnung. Entsprechend wenige Hotels und Pensionen gibt es. Ist man einmal hier, will man gar nicht mehr weg. Nach Manhattan fahre ich nur für Geschäftstermine oder um meinen tollen Akupunkteur in Chinatown zu konsultieren.
Um den Geist der Hamptons aufzusaugen, muss man nur in Bridgehampton, Southampton, East Hampton oder Amagansett durch die Hauptstraßen schlendern. Die Geschäfte sind nicht auf Hochglanz poliert, sondern einfach, fast schon schäbig. Dabei sind tolle Boutiquen und Kunstgalerien darunter. Es verlegt bloß niemand teure Böden und verteilt aufwendiges Dekor. Auch mein eigener Laden in Southampton ist ganz schlicht: Alte, rohe Holzdielen, weiß gestrichene Bretterwände, so bleibt das rustikale Urlaubsgefühl gewahrt.
Die Kunden sind gut gelaunt und bringen Zeit für ein Gespräch mit mir oder den Mitarbeitern mit. Mein Team und ich leben übrigens, wann immer ich da bin, wie in einer Kommune auf einer Ranch in Bridgehampton. Unser Geschäftsführer Blake macht die wunderbarsten Barbecues, und mein Sohn Timmi liebt dessen Katze Frieda.
Ständig ist man zum Dinner eingeladen oder hat selbst Gäste
Überhaupt spielt sich ein Großteil unseres sozialen Lebens im Privaten ab. Ständig ist man irgendwo zum Dinner oder auf eine Party eingeladen oder hat selbst Gäste. Aber die Gesellschaft ist recht eingeschworen, und es dauert, bis man dazugehört. Ehe ein Neuling aufgenommen wird, wird er gründlich abgecheckt.
Besonders in der Hauptsaison trifft man sich gern zu Hause. Abends kriegt man im Restaurant keinen Tisch mehr, es ist teuer und fast so laut wie in Manhattan. Da koche ich lieber mit Freunden, und wir gehen erst später raus auf einen Drink. Mittags ist es entspannter, wir lunchen gern in der Redbar Brasserie außerhalb von Southampton. Die Weine der Winzer, von denen es auf Long Island mittlerweile einige gibt, sind fantastisch, genau wie der gebackene Heilbutt.