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Merken   Drucken   07.03.2007, 16:00 Schriftgröße: AAA

Alte Meister: Leica-Kameras

Neben neuen sind auch alte Leica-Kameras Zeugen der Zeit und eine schöne Wertanlage, findet Jan-Cornelius vom Hau ganz subjektiv heraus.

Als ich klein war, erzählte mir mein Vater während eines Spaziergangs von einer Leica, ähnlich der seinen, die 1979 in Kalifornien einen Düsenjägerabsturz aus 8000 Metern Höhe überstanden hätte. Später wäre sie gefunden und dem überlebenden Kopiloten, dessen Eigentum sie war, samt Film zurückgegeben worden. Als wir so gingen, dies ist nicht erfunden, stolperte mein Vater und musste sich mit seiner Kamera in den Händen auf dem Kopfsteinpflaster abstützen, wobei die Leica hart aufschlug. Sie trug so gut wie keinen Kratzer davon und machte weiterhin die gewohnt brillanten Bilder. Ich beschloss, die Geschichte mit dem Düsenjet zu glauben.

Das Gehäuse einer Leica besteht aus gezogenem Aluminiumrohr, ihr Innenleben aus stabilem Spritzguss-Aluminium. "Die Verarbeitung ist im Vergleich zu vielen anderen Fotoapparaten äußerst solide und trotzdem sehr fein", lobt Lars Netopil aus Wetzlar, einer der maßgeblichen Händler im internationalen Geschäft mit Sammler-Leicas. Netopil und seine Kunden jagen hauptsächlich Leica-Kameras, die 30 Jahre und älter sind, wobei sie sich auf das Gehäuse kaprizieren, denn die Objektive sind zahlreich verfüg- und austauschbar.

Auf 4000 Passionierte schätzt Netopil die überwiegend männliche Sammlergemeinde. Allein die "Leica Historical Society of America" zählt 2000 Liebhaber, die übrigen kommen meist aus Japan oder Deutschland. Manch einer lässt sich seine Obsession bis zu 200.000 Euro im Jahr kosten - und erhält ein oder zwei rare Stücke. Andere legen es eher auf eine vollständige Sammlung an, die Meilensteine der Leica-Entwick-lung, mithin der Fotogeschichte, repräsentiert.

Die mit dem Düsenjäger abgestürzte Kamera, eine Leicaflex SL 2-MOT, gehörte Mark Meyer, der damals als Bildreporter für das US-Magazin "Time" unterwegs war. Heute liegt das legendäre Stück im Werksarchiv der Firma Leitz in Solms hinter Glas, zusammen mit einer Leica, die stark verkohlt aus den Trümmern des 1937 explodierten Zeppelins Graf Hindenburg geborgen wurde, und einem Modell, das eine Gewehrkugel abgefangen und seinem Besitzer so das Leben gerettet hat.

Aber nicht nur wegen der Legenden, die sich zahlreich um sie ranken, waren (und sind) Leica-Kameras für viele Faszination und Liebe auf den ersten Klick. Als Leitz-Entwicklungschef Oskar Barnack 1914 in Wetzlar die erste Kleinbildkamera konstruierte, schleppten sich Vertreter der Fotografie bereits 80 Jahre lang mit sperrigen Plattenkameras und Stativen ab. Der Chef der Optischen Werke Ernst Leitz, Ernst Leitz II, erkannte das Potenzial der Ur-Leica und kündigte an: "Die Fabrikation der Kleinkamera von Barnack wird im Großen aufgenommen!"

Elf Jahre später wurde in Leipzig unter dem inzwischen gefundenen Namen Leica (aus Leitz'sche Camera) das Modell I mit fest eingebautem Objektiv vorgestellt. 1932 standen, für die Leica II, sieben Wechselobjektive zur Verfügung. Die kleinste und leichteste Kamera der Welt legte Fotografen, Künstlern, Journalisten und Laien ungeahnte Möglichkeiten in die Hände. "Sie verhielt sich zur gewohnten Fotokamera wie der Laptop zum Großrechner oder das Handy zum Wandtelefon", erklärt Lars Netopil. Überall war vom "entfesselten Blick" die Rede, vom "neuen Sehen", und der Einfluss auf Kunst und Reportage-Journalismus war erheblich. Als 1954 die Photokina die Leica M3 mit Bajonettanschluss präsentierte, stand dem Siegeszug der Marke nichts mehr im Wege. 1961 waren weltweit eine Million Kameras in Gebrauch.

Viele berühmte Magnum-Fotografen, so auch Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David Seymour und Anton Corbijn, besaßen oder besitzen eine Spiegelreflexkamera von Leitz. Und viele mit Leicas geschossene Aufnahmen erfüllen das visuelle Gedächtnis der Menschheit. Darunter das meistreproduzierte Foto der Welt: das Che-Guevara-Porträt von Alberto Diaz Gutierrez, genannt Korda, aufgenommen 1960 mit einer Leica M2.

Martin Meister, der in Hamburg Deutschlands ältesten Leica-Shop führt, registriert unter Sammlern einen Trend zur Exklusivität. "Sehr begehrt ist zum Beispiel die auf 400 Stück limitierte Leica MP von 1956. Im gut erhaltenen Originalzustand kostet sie bis zu 95.000 Euro." Aber auch Nachwuchsstars können Karriere machen: Die 2004 für 20.000 Euro edierte Jubiläumskamera M7 aus Titan (mit drei Objektiven) ist heute das Doppelte wert - sie wurde nur 50-mal gebaut.

"Das Leica-Universum ist groß", sagt Meister und nennt mit Kalbs- oder Schlangenleder bezogene Serien, Leicas für Röntgenaufnahmen und militärische Spezialeinsätze. Hinzu kommen Apparate, die Personen der Zeitgeschichte überreicht wurden, darunter eine 1958er M3 mit Initialen-Gravur für Königin Elizabeth II. und eine 1951er Leica 3f mit der Seriennummer 555555, die an den Dalai Lama ging.

Die Preise steigen seit 30 Jahren beständig. Glücklich, wer davor investiert hat. Heute können Einsteiger Leicas im Topzustand, etwa aus der Modellreihe M3, für rund 2000 Euro finden. Ausgebuffte trauen sich ins größte und teuerste Auktionshaus Peter Coeln in Wien oder zu Christie's nach London, wo ihnen sogar die "Blaue Mauritius" der Kameras begegnen könnte. Einen der 17 noch existierenden Prototypen aus der Null-Serie von 1923 hat zuletzt Lars Netopil verkauft. Fünf Jahre ist das her. Der Preis: 300.000 Euro.

Allein die Ur-Leica von 1914 widersteht jedem Begehren. Dabei hat mehr als ein Verehrer versucht, die auf 2 Millionen Euro versicherte Veteranin aus ihrer Vitrine zu befreien. Per Blankoscheck mit Deckung bis 10 Millionen Dollar. Vergeblich. Nicht jede Schö­ne hinter Glas ist eben käuflich.

KONTAKTBOGEN

Leica-Shops

Peter Coeln

Westbahnstr. 40

Tel. 0043/1/523 56 59

www.leicashop.com Foto Hobby Rahn

Am Salzhaus 2, Frankfurt

Tel. 069/920 70 70

www.foto-hobby.de Leica Berlin

Fasanenstr. 71, Tel. 030/50 36 16 66

www.leica-camera-berlin.com Leica bei Meister

Eppendorfer Landstr. 64, Tel. 040/46 77 77 55

www.leicabeimeister.com Lars Netopil

Baugasse 4, Wetzlar

Tel. 06441/41 03 78

www.lars-netopil.com Börsen, Auktionen

www.christies.com

www.kameraboersen.com

www.leica-historica.de Leica Historical Society of America

www.lhsa.org

www.lars-netopil.com

www.westlicht-auction.com Literatur

Leica International Price Guide: Cameras, Lenses and Accessoires, 8. Edition, Hove Collerctors Books

Leica - Das Produkt und Sammlerbuch von Dennis Laney, Lindemanns Verlag

Termine 2007

31. 03. Kamerabörse Wetzlar

12. 05. Auktion Foto Hobby Rahn in Frankfurt

20. 05. Fotobörse London

26. 05. Auktion Peter Coeln in Wien

02. 06. Fotobörse Paris

06. 06. Leica-Auktion bei Christie's London

  • FTD.de, 07.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
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