Wo findet der einsame Machtmensch heutzutage noch wahre Freunde? Jemanden, der einen im grauen Politikalltag scherzhaft am Haar zieht, nach Krisenberatungen aufmunternd am Schulterpolster zupft oder devot aus der Hand frisst, nachdem man nächtelang streitsüchtige Koalitionspartner kasteien musste. Jemanden auf dessen Wort Verlass ist - auch weil man es ihm selbst wohlüberlegt beigebracht hat.
Richtig, im Zoo. Um genau zu sein im Lori-Gehege des Vogelparks Marlow. In rudimentärer Urwaldkulisse aus deutschem Birkenzweig und vorpommerischer Spanplatte findet der Homo politicus die kleine Fliegerstaffel der guten Laune vor. Genau der richtige Zufluchtsort also für Angela Merkel.
Raus aus dem Gruselkabinett der schwarzen Anzugtöne, das sich Bundestag nennt. Rein in den Kreis der putzigen Paradiesvögel und aufgehen in einem leuchtend bunten Federmeer, das mit jedem der fünf Kanzlerinnenjacketts des goetheschen Farbkreises harmoniert. Dann wird gezupft, gezwickt und geschnabelt, bis sich selbst die Mundwinkeltaschen der mächtigsten Frau der Welt zu einem Lachen heben. Nicht der einzige Grund, weshalb ein bis sieben Loris im Haarnest der Seele guttun.
Bei den Papageien findet Frau Merkel ein kleines Stückchen heile Welt - fernab von den schrägen Vögeln ihres Koalitionskäfigs. Und das Beste: Loris bleiben ihren Partnern ein Leben lang treu.
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