Was schreib ich bloß? Was schreib ich bloß? Zwei Stunden treibe ich jetzt schon im Hotelpool herum und weiß es immer noch nicht. Vielleicht etwas über die Landschaft? "Das geschwungene Hauptgebäude der Bilila Lodge formt eine Bucht in der Serengeti, in deren Steppengras der Wind Wellen schlägt. Wenn die Sonne sinkt, ballen sich am Horizont Gewitterwolken zusammen und führen stumm ein wagnerianisches Geblitze auf; zuvorkommend halten sie dabei so viel Abstand, dass nicht einmal der Donner uns erreicht. Am Nachmittag streunt eine Sippe Paviane vorbei ... " Pfffft. Ich weiß nicht. Vielleicht zu Karl-May-mäßig. Vielleicht schreibe ich nur über Paviane? Paviane müssen auf jeden Fall vorkommen. Dass die bei Sonnenuntergang immer auf dem großen Felsen hier hocken, ist schon sensationell.
Andere Tiere sind natürlich auch wichtig. Giraffe, Löwe, Elefant - dafür reist man ja in die Serengeti, das muss man aufschreiben: 70 Säugetiermodelle, 500 Vogelsorten auf 30 000 Quadratkilometern - ein paar Fakten braucht das Ganze. So ein Nationalpark ist ja eigentlich bloß ein auf links gedrehter Zoo: Zu Hause sind die Viecher eingezäunt, hier sind es die Touristen. Man weiß gar nicht, wer hier eigentlich wen begafft. Der Pavian da im Baum guckt mir schon seit einer halben Stunde beim Planschen zu.
Was ess ich bloß? Was ess ich bloß? Schon wieder Datteln? Pffffft. Die ewigen Früchte hängen einem irgendwann zum Hals raus. Eine Eidechse wäre fein, aber dafür müsste ich vom Baum runter, und das ewige Jagen hängt einem irgendwann genauso zum Hals heraus wie die ewigen Früchte und die ewigen Sippentreffen. Immer das Rumgerenne, Fressen-Gesuche, Auf-dem-Felsen-Gehocke. Das ist doch kein Leben. Der Kerl da im Pool, der hat es gut. Schön den ganzen Tag im Wasser liegen, zwischendurch bringt jemand in Uniform Essen vorbei, und es ist immer etwas anderes. Das könnte ich wohl auch.
Schön den ganzen Tag auf dem Baum hocken und Datteln fressen, das könnte ich wohl auch. Stattdessen muss ich mir was einfallen lassen. Also. Landschaftsbeschreibungen! "Die Serengeti ist so umwerfend schön, man möchte sie ausschneiden und innen auf seine Brillengläser kleben. Will dort begraben sein, damit bis in alle Ewigkeit Giraffen über einen hinweggaloppieren." So in der Art. Klingt ein wenig albern, ist aber so. Der Affe hat's gut, der wohnt hier.
Ich verstehe nur nicht, warum die da unten nach ein paar Tagen immer wieder verschwinden. Drei, vier Tage, länger bleibt kaum einer. Dabei sehen die immer ganz zufrieden aus. Also, dauerhaft tauschen möchte ich nicht mit denen. Die meisten haben immer nur ein einziges Weibchen dabei, selbst die Ranghöchsten einer Gruppe: nur ein Weibchen. Dafür ist ihr Frühstücksbüfett lang wie drei Giraffen.
Teil 2: Auf Safari in Tansania