Schmuck im Wert von 1 Mio. Pfund und Mastertapes der Band Joy Division fanden sich in den Schließfächern des neuen Restaurants von Starkoch Jamie Oliver in Manchester. 1928 vom britischen Architekten Edwin Lutyens entworfen, war das denkmalgeschützte Gebäude einst Sitz der Midlands Bank und später eine Filiale der Hong Kong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) gewesen.
Solche Schätze gab es im Tresor am Sitz des japanischen Szenerestaurants Nobu in New York nicht. Um aber den riesigen Panzerschrank zu knacken, mussten die Betreiber erst einen Spezialisten engagieren. Heute ist der sogenannte "Sake Safe" Mittelpunkt der Bar und das Einzige, was an die ehemalige Bank erinnert: Vier Monate soll es gedauert haben, um die nötigen Löcher für die Rohrleitungen und Kühlgeräte durch die Tresorwände zu bohren.
Einrichtungsabenteuer scheinen Investoren jedoch nicht abzuschrecken: Mit Kassenhallen so groß wie Ballsäle, Wänden und Böden aus Marmor und Mosaik, noch dazu an Standorten mit viel Kundenverkehr, liegen ehemalige Banken bei Gastronomen und Hoteliers schwer im Trend. "Der Nimbus von honorigen, angesehenen Kaufleuten und öffentliche Schalterhallen, in denen sich der Gast im Zentrum der Macht fühlen kann" - all das seien Aspekte, die eine Bank als Restaurantplatz einzigartig machten, erklärt der Berliner Restaurantberater Holger Görisch. Wir präsentieren ihnen vier dieser außergewöhnlichen Locations.
Manche Nacht hat Charles Dickens in der Lombard Street gestanden und sehnsuchtsvoll zu den Fenstern der Nummer 2 hinaufgeschaut. Hier wohnte seine erste Liebe, Maria Beadnell. Ihr Vater George war Manager der benachbarten Bank Smith, Payne and Smith's. Heute blicken junge Finanzberater vom Restaurant 1 Lombard Street auf die ehemalige Bank of England und träumen vermutlich von exorbitanten Boni.
Während elegante Damen, schwarze Taxis und Herren in Nadelstreifenanzügen vorbeiströmen, fällt Tageslicht durch den gewaltigen gläsernen Dom der einstigen Kassenhalle. 200 Gäste finden in der schicken Brasserie Platz. Neben der schokobraunen Lederverkleidung des Tresens, dem schlichten, schwarzen Mobiliar und der weißen Stuckdecke schimmert hinter der Bar eine Wand goldgelb: ein Farbtupfer in einem Meer aus Anzuggrau. Mittags und abends ist der Laden voll, laut Eigenwerbung macht die City hier ihre Deals.
Im hinteren Teil des Gebäudes hat Inhaber Soren Jessen kürzlich ein weiteres, exklusiveres Restaurant eröffnet, mit nur 50 Plätzen. Der Name "1776" erinnert an die erste schriftliche Erwähnung der Bank. Hier kann man lokale Spezialitäten wie englische Schnecken und Scottish Beef Carpaccio genießen.
1 Lombard Street, London EC3V 9AA, Tel.: 0044/20/79 29 66 11, www.1lombardstreet.com
Flackernde Kerzen lassen das Lokal schon mittags angenehm schummrig erscheinen. Auf fast allen Tischen steht Wein. Tatsächlich gehört für Gäste des Restaurants Die Bank im oft nassen Hamburg das innere Aufwärmen ebenso zur Mittagspause wie der stets griffbereite Regenmantel.
Weit haben die meisten es ohnehin nicht, kommen sie doch vor allem aus den Anwaltskanzleien, Banken und Büros der unmittelbaren Umgebung. 100 Jahre lang diente das imposante Gebäude des 1897 errichteten Stadtpalais in den Hohen Bleichen der Hypothekenbank als Domizil. Erst vor sieben Jahren wurde es zu einem Restaurant umgebaut.
Vor allem die hohe Decke und alte gusseiserne Säulen erinnern an die einstige Nutzung. Versteckte Stilelemente oder zweckentfremdete Prunkstücke verraten ihre Herkunft erst auf den zweiten Blick: So führt der Weg zur Küche, in der Sternekoch Thomas Fischer arbeitet, durch eine dicke Tresortür. Michelin-Kost wird hier jedoch nicht aufgetischt. Stattdessen gibt es Brasserieköstlichkeiten - regionale und saisonale Spezialitäten mit französischem oder asiatischem Einschlag. Schwer darf das Essen nicht sein, schließlich kommen tagsüber vor allem die Schreibtischarbeiter. Das Schnitzel war anfangs so erfolgreich, dass Inhaber Dirk von Haeften es fast von der Karte verbannt hätte.
Aufgebaut hat von Haeften sein Restaurant in einer Ecke, die früher als Hinterhof der Hansestadt galt - mittlerweile aber in direkter Nähe des Jungfernstiegs eine Topadresse ist. Irgendein Lokalprominenter sitzt hier immer auf den Lederbänken, ob Reeder, Künstler oder Adelsspross. Tatsächlich wird Die Bank auch von einem aus dem Metier geleitet: Inhaber von Haeften war einst Geschäftsführer der Immobilientochter der Bank M.M. Warburg.
20354 Hamburg, Hohe Bleichen 17, Tel.: 040/23 80 03 50, www.diebank-brasserie.de
Karl Vitzthum aus Chicago war einer der wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts, entwarf viele bekannte Bürogebäude der Stadt. The Bedford, gebaut 1926, liegt in Wicker Park, einer beliebten Wohngegend mit vielen kleinen Geschäften.
Die ehemalige Bank steht direkt an einer Chicagoer Bahnstation und wird deshalb vor allem von Pendlern besucht. Die kommen nach der Arbeit in den einstigen Sitz von Home Bank and Trust, um an einem Cocktail zu nippen oder einen "Bedford Burger" mit Blauschimmelkäse und Spiegelei zu essen. Hier wurden nicht nur die typischen Merkmale eines Geldhauses wie Tresortüren und Schalter als Deko beibehalten. Sie sind auch der Mittelpunkt der Einrichtung. So liegt die Bar in dem einstigen Bankgewölbe, dessen Wände mehr als 10.000 Schließfächer säumen.
Der Eingang - eine gewaltig runde, fast deckenhohe Tresortür - erinnert an die Luke eines Raumschiffs. Die Deckenlampen im Restaurant waren einst das Gitter der Bankschalter. Herz des Restaurants ist ein gewaltiger Kassierertresen. Im Vault Room, dem Loungebereich, befindet sich ein Kunstwerk aus kupfernen Wertpapierdepots. Als Highlight ist auch die exklusiv gestaltete Damentoilette zu bezeichnen. Sie wurde aus Türen und Trennwänden der einstigen Privatkundenberatungsräume errichtet.
1612 West Division Street, Chicago IL 60.622, Tel.: 001/773/235 88 00, www.bedfordchicago.com
Viele Großbanken sind für ihre üppigen Kunstsammlungen bekannt. Im einstigen Hauptsitz der Dresdner Bank in Berlin, dem heutigen Rocco Forte Hotel de Rome, können Gäste sich noch heute an Gemälden und Skulpturen erfreuen: Zu sehen sind im Eingangsbereich Kupferstiche des italienischen Barockkünstlers Giuseppe Vasi, in der Bar steht eine überlebensgroße Marmorskulptur des russisch-amerikanischen Bildhauers Alexander Archipenko, und im Restaurant hängen vier Collagen der Künstlerin Esther Schwarz - um nur einige Werke zu nennen.
Auch sonst erinnert das stattliche Gebäude aus dem Jahr 1889 mit Blick auf den Bebelplatz an ein Museum. Trotz der schweren Holzvertäfelungen und fünf Meter hohen Decken in den vier historischen Suiten - den ehemaligen Büros der Bankdirektoren - ist das Hotel vom Dekor her erstaunlich luftig. So auch die 65 Quadratmeter große Gutmann-Suite, einst das Büro des damaligen Bankdirektors, mit ihren Eichenholzpaneelen. Darin stecken sogar noch Granatsplitter aus dem Zweiten Weltkriegs.
Highlight des Hotels ist das "Spa de Rome" in den ehemaligen Tresorräumen. In der Juwelenabteilung sind heute ein 20 Meter langer Pool und etwa 400 Schließfächer für die Wertsachen der gut betuchten Berliner Gesellschaft untergebracht. Eine 15 Zentimeter dicke, in der Wand verankerte Stahltür gibt den Blick frei in den weiten Raum mit vier großen Messingwandschränken. Früher wurden darin Wertpapiere gelagert. Heute gehören sie zu den der weltweit sichersten Aufbewahrungsorten für Handtücher.
Behrenstraße 37, 10.117 Berlin, Tel.: 030/460 60 90, www.hotelderome.de